Fonds-News
Schuldensünder Argentinien glänzt wieder an den Finanzmärkten
28.05.15 / 09:43 (0 mal gelesen)

(Wiederholung)

Von Gregory Zuckerman

BUENOS AIRES (Dow Jones)--Momentan erlebt ein Sorgenkind der internationalen Kapitalmärkte eine kaum für möglich gehaltene Wiedergeburt. Hedgefonds schießen in großem Stil liquide Mittel nach Argentinien. Zwar kam es vor noch nicht einmal einem Jahr wegen einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem 25 Milliarden US-Dollar schweren Hedgefonds von Paul Singer zu einem Zahlungsausfall durch die Regierung in Buenos Aires. Doch die Finanzmärkte haben offenbar ein sehr kurzes Gedächtnis. Es locken massive Kursgewinne bei Aktien und Anleihen in der viertgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Die Anleger suchen deshalb dort nach Kaufgelegenheiten in einem weltwirtschaftlichen Umfeld ultraniedriger Zinsen und stotternden Wachstums in den Industrienationen.

Selbst nach einem kurzfristigen Kursrückschlag gewann der argentinische Merval-Index dieses Jahr bereits in Peso gerechnet 27 Prozent und 20 Prozent auf Dollarbasis. Damit können sich die Argentinier einer der derzeit am besten laufenden Börsen rühmen. Auch die Schulden nehmen im Gleichklang wieder zu. Die Staatsschuld kletterte in Landeswährung um 15,3 Prozent.

Manche Hedgefonds sind seit einiger Zeit fast schon euphorisch, was die Aussichten Argentiniens anbelangt. Diese Investoren sehen das Ende der Fahnenstange auch noch lange nicht erreicht. So startete Alan Howard mit seiner Brevan Howard Capital Management einen Hedgefonds, der auf Investments in Argentinien setzt. Rund 1 Milliarde Dollar schwer ist ein Fonds, mit dem PointState Capital in dem Staat Profite erzielen will. Dieser wird von Dario Lizzano geführt, der einst die Analysen und den Vertrieb von Morgan Stanley für Lateinamerika verantwortete.

Einige der Fonds konzentrieren sich auf Investitionen in Eigen- und Fremdkapital argentinischer Firmen. Andere kaufen sich bei Personengesellschaften ein, um diese später an die Börse zu bringen.

Auslandsinvestoren waren bislang - milde ausgedrückt - skeptisch gegenüber Argentinien. Im Jahr 2001 entschied das Land, Schulden bei Gläubigern nicht mehr zu bedienen, die rund 80 Milliarden Dollar in Händen hielten. Im Jahr 2012 überzeugte Singers Hedgefonds Elliott ein Gericht in Ghana davon, ein argentinisches Marine-Trainingsschiff zu konfiszieren, da Argentinien anstehende Forderungen von 2,5 Milliarden Dollar nicht bedient hatte. Wiederum andere Gläubiger versuchten, das argentinische Präsidentenflugzeug beschlagnahmen zu lassen.

Im Juli vergangenen Jahres zahlte Argentinien das zweite Mal in nur 13 Jahren seine Schulden nicht zurück. Das Land verstaatlichte zudem in der jüngeren Vergangenheit bedeutende Aktiva, die Ausländer in Argentinien hielten. So erwärmen sich die Hedgefonds nach eigenen Angaben auch vorwiegend aus dem Grund für das lateinamerikanische Land, da im Dezember die zweite Amtszeit von Präsidentin Christina Kirchner ausläuft. Kirchner steht nach Ansicht vieler für eine rückwärtsgerichtete Politik, die Wirtschaftswachstum hemmt. Die Landesverfassung untersagt es jedem Politiker für mehr als zwei Präsidentenamtszeiten hintereinander zu kandidieren. Deshalb kann Kirchner im Oktober nicht zur Wiederwahl antreten.

Jeder der aussichtsreichen Kandidaten gilt als marktfreundlicher. Argentinien hat 41 Millionen Einwohner und verfügt über große Naturschätze - in der Landwirtschaft und im Energiesektor. Doch selbst die Regierung räumt ein, dass die Wirtschaft im Jahr 2014 nur um magere 0,5 Prozent zulegte. Unabhängige Ökonomen halten das noch für zu rosig und gehen von einer aktuell schrumpfenden Wirtschaft aus. "Argentinien ist in einer schlechten Lage, aber mit einigen Änderungen kann sich das Land erheblich besser schlagen", meint Präsident David Tawil vom Hedgefonds Maglan Capital.

Allerdings sehen viele der Gewinne bei argentinischen Investments nur in Peso so lukrativ aus. In Dollar ergibt sich ein viel weniger helles Bild. Doch auch manche argentinischen Firmen mit an Auslandsbörsen notierten Aktien verbesserten sich signifikant. Offenbar ist es zu früh, sich für oder gegen das Land zu positionieren. Noch ist unklar, ob das Land aus der schweren Wirtschaftskrise herausfindet. Der Nachfolger von Präsidentin Kirchner dürfte kaum in großem Stil einen Politikschwenk vornehmen. Außerdem sollten Kirchners Parteifreunde im Kongress im Zweifel zu weitgehende Reformen des neuen Präsidenten torpedieren.

Des Weiteren könnte Kirchner ihre politische Karriere als Abgeordnete fortsetzen, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder in ihr jetziges Amt zurückzukehren. "Das sind sehr volatile, riskante Investitionen", warnt denn auch Wirtschaftsprofessor Arturo C. Porzecanski von der American University. Die Bevölkerung sei weiterhin stark für Subventionen und Staatsdirigismus. Eine Abkehr von Kirchners Politik würde kaum goutiert.

Argentinien-Optimisten halten die Möglichkeit von Kirchners Rückkehr ins Amt aber für gar nicht mal so schlecht. Das erhöhe den Druck auf ihren Nachfolger, das Wirtschaftswachstum zu verbessern, um ein Comeback der Populistin abzuwenden. Diese Anleger meinen, dass die künftige Regierung einige Steuern fallen lassen und Restriktionen für Im- und Export mehrerer Güter reduzieren werde. Das wiederum dürfte die Kapitalzuflüsse nach Argentinien zusätzlich beflügeln.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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May 28, 2015 03:43 ET (07:43 GMT)

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