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Deutsche Bank

Jahresausblick 2017

Wahlen in Europa, Trump in den USA, Wachstum in China: Welche Entwicklungen Anleger im neuen Jahr im Blick behalten sollten und wie die Kapitalmärkte reagieren könnten, lesen Sie jetzt hier.

Übersicht
Dr. U. Stephan

Meine 10 Prognosen für das Jahr 2017

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16
Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden, über die maßgeblichen Trends und Einflussfaktoren im neuen Anlagejahr und deren Auswirkungen auf die einzelnen Anlageklassen


Die Weltwirtschaft im Zeichen der USA

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16
Politische Entscheidungen dürften 2017 die globale Wirtschaftsentwicklung maßgeblich beeinflussen. In den USA wird sich mitentscheiden, wohin die Welt steuern könnte. Zumindest zeitweise könnte es stürmisch werden.
USA


Wall Street

2017: Erst US-Aktien, danach der Rest der Welt

Aktien – 19.12.16
Alle Augen Richtung USA – das dürfte 2017 zunächst auch an den Aktienmärkten gelten. Denn während Europa mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen hat, könnten US-Aktien von der Politik des neuen Präsidenten profitieren. Im Jahresverlauf könnte sich der Anlagefokus jedoch erweitern.


Am Anleihemarkt ist hohe Flexibilität gefragt

Anleihen – 19.12.16
An den Rentenmärkten ist auch in den kommenden Monaten mit größeren Schwankungen zu rechnen. Für Anleger könnte sich ein Blick auf den US-Dollar lohnen – und auf die weiteren Entwicklungen in den Schwellenländern.
Dollar / Euro


Immobilien

Interessantes Fundament fürs Depot?

Immobilien – 19.12.16
Der weltweite Anstieg der Immobilienpreise könnte sich 2017 fortsetzen. Insbesondere US-Gewerbeobjekte scheinen interessante Anlagemöglichkeiten zu bieten. Aber auch ein Blick auf den deutschen Markt dürfte sich lohnen.


Rohstoffe: Unsicherheiten überwiegen Preispotenzial

Rohstoffe – 19.12.16
Steigende Preise bei Rohstoffen scheinen 2017 möglich. So könnten die erwarteten fiskalpolitischen Maßnahmen in China oder den USA die Anlageklasse stützen. Gleichzeitig bleiben die Risikofaktoren jedoch erheblich.
Rohstoffe


Markus Koch

Gastbeitrag Markus Koch: Willkommen im Trump-Zeitalter

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16
Donald Trump wird die USA im Kern verändern. Abzuwarten bleibt, welche Maßnahmen er tatsächlich umsetzen kann. Derzeit scheint vieles möglich – im positiven wie im negativen Sinne. Ein Gastbeitrag von Markus Koch.
Prognosen

10 Prognosen für das Anlagejahr 2017 von Dr. Ulrich Stephan

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16

Dr. U. Stephan

1. Politik: Zwischen berechtigten Sorgen und Verführung der Massen

Nicht zuletzt mit seinen Plänen für eine restriktivere Einwanderungs- sowie eine protektionistische Wirtschaftspolitik hat Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Auch in Europa sind solche zum Teil populistischen Positionen auf dem Vormarsch. Sie finden insbesondere bei Menschen Zustimmung, die sich zu den Verlierern der Globalisierung zählen oder fürchten, bald zu ihnen zu gehören. Und das nicht ganz unberechtigt: Denn Teile der Mittelschicht in vielen Industrieländern haben in den vergangenen Jahrzehnten von der Globalisierung zu wenig profitiert – ihre Reallöhne sind mitunter sogar gesunken. Die 2017 anstehenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland beinhalten daher erhebliches Konfliktpotenzial. Eine zunehmende Abkehr von offenen Gesellschaften und dem freien Warenhandel könnte die Weltwirtschaft vor zusätzliche Herausforderungen stellen.

2. Volkswirtschaft: Hausgemachte Stagnation aus Angst vor Rezession

Seit dem Beginn der Finanzkrise leidet die Weltwirtschaft unter einer hartnäckigen Wachstumsschwäche. Doch statt dringend notwendige Strukturreformen anzugehen, versuchen Regierungen weltweit die größten Probleme mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zu überdecken – auch aus Furcht vor kurzfristig weiteren Wachstumseinbußen und einer vorübergehenden Zunahme der Arbeitslosigkeit. Doch diese Maßnahmen initiieren einen Teufelskreis: Wenn wenig produktive Unternehmen künstlich am Leben gehalten und Strukturreformen auf die lange Bank geschoben werden, führt das langfristig dazu, dass die Wirtschaft stagniert und populistische Positionen an Akzeptanz gewinnen. Für die Weltwirtschaft erwartet die Deutsche Bank 2017 ein Wachstum von 3,4 Prozent.

3. Staatsanleihen: Auslaufender Bullenmarkt ist noch lange kein Bärenmarkt

Nachdem die US-Zinsen in den vergangenen 35 Jahren kontinuierlich sanken, stieg die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen direkt nach der US-Wahl auf mehr als 2 Prozent. Für 2017 rechne ich eher mit moderaten Zinsbewegungen. Zwar könnten fiskalpolitische Maßnahmen die Zinsen treiben – in welchem Umfang Konjunkturprogramme jedoch umgesetzt werden, ist aktuell noch fraglich. In Europa deckeln die demografische Entwicklung sowie mangelnder fiskalischer Spielraum einen Zinsanstieg. Damit dürften jenseits des Atlantiks weiterhin deutlich höhere Anleiherenditen als etwa in Deutschland zu erzielen sein. Zum Jahresende 2017 erwarte ich in den Vereinigten Staaten ein Kapitalmarktzinsniveau von 3,1 Prozent. Das sollte den Euro langfristig schwächen und der kriselnden Eurozone wirtschaftlich weiter auf die Beine helfen. 

4. Immobilien: Nachvollziehbarer Boom statt Blasenbildung

Das weltweit interessante Zinsumfeld für Immobilieninvestitionen dürfte 2017 bestehen bleiben. Ein mögliches Anlageziel könnte aufgrund des robusten US-Konsums und des intakten Arbeitsmarkts der Gewerbeimmobiliensektor in den Vereinigten Staaten sein. In Europa dürften deutsche Immobilien weiterhin im Anlegerfokus stehen: Bei fortschreitender Urbanisierung und zu geringer Bautätigkeit sollten Zuwanderung und steigende Einkommen den Markt stützen. International scheinen dagegen einige Märkte bereits heiß gelaufen zu sein – beispielsweise in China.

5. Chancen am Rentenmarkt: Richtig Rendite, aber nur mit richtig Risiko

Sollte an den weltweiten Rentenmärkten wieder etwas Ruhe einkehren, könnten sich zahlreiche Anleger erneut auf die Suche nach höheren Renditen machen – und dabei zum Beispiel in den USA fündig werden. Denn neben einer interessanten Verzinsung bieten US-Anleihen für Euroanleger die Möglichkeit auf zusätzliche Währungsgewinne, sollte der US-Dollar zum Euro aufwerten. Auch Schwellenländeranleihen könnten nach überwundenem Schock über den Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten für Anleger im kommenden Jahr wieder interessanter erscheinen – vorausgesetzt Trumps Pläne für eine US-Abschottungspolitik werden nicht vollumfänglich umgesetzt.

6. Aktien global: Der Zyklus kommt und geht, die Dividende zahlt sich aus

Nach dem Chinaschock zum Jahresanfang 2016 und der anschließenden Konsolidierungsphase legten die Aktienmärkte der Industrieländer nach der US-Wahl zum Teil deutlich zu. Für 2017 rechne ich mit immer wieder auftretenden Schwierigkeiten bei der Umsetzung der angekündigten US-Reformen. In Kombination mit der unsicheren Lage in Europa – etwa bezüglich der anstehenden Wahlen oder des Brexit-Themas – könnte dies zu spürbaren Marktschwankungen führen. Während ich in diesem Umfeld für zyklische Sektoren nur phasenweise Potenzial sehe, dürften defensivere Aktien und Dividendentitel als langfristige Basisanlage für viele Anleger interessant sein.

7. Aktien regional: „America first“, danach der Rest der Welt

Steuererleichterungen, Konjunkturprogramme, Deregulierung: Sollte Donald Trump seine Wahlversprechen zumindest in Teilen in die Tat umsetzen, könnte der US-Aktienmarkt profitieren. Aussichtsreich erscheinen zum Beispiel Finanztitel sowie der Gesundheitssektor. Für den US-Leitindex S&P 500 erwarte ich zum Jahresende 2017 einen Stand von 2.350 Punkten. Auch die Aktienmärkte der Schwellenländer könnten wieder stärker in den Anlegerfokus rücken. Für den deutschen Aktienmarkt rechne ich mit einem schwankungsintensiven Jahr: Die Jahresendprognose für den DAX liegt bei 11.800 Punkten.

Jahresausblick

8. Rohstoffe: Kampf ums Gleichgewicht statt schnelles Comeback

Trotz erwarteter Konjunkturprogramme in den USA und China dürften die Rohstoffpreise unter Druck bleiben. Das gilt auch für Öl: So ist weiter fraglich, ob die OPEC ihre Fördermenge wie angekündigt tatsächlich drosselt – zumal US-Förderer bereitstünden, um eventuelle Lücken zu schließen. Ich rechne 2017 daher weiter mit einem Überangebot am Ölmarkt. Zusätzlicher Gegenwind für den Ölpreis könnte aus einer Aufwertung des US-Dollar resultieren. Andererseits könnte Trump das Iran-Abkommen aufkündigen und damit zu einer Angebotsreduktion beitragen. Das scheint zwar wenig wahrscheinlich, verdeutlicht jedoch die Unsicherheit am Ölmarkt. Ein starker US-Dollar dürfte auch Gold für Anleger weniger interessant machen: Die Deutsche Bank sieht zwar moderates Preispotenzial, aufgrund des vergleichsweise kleinen Marktes für das Edelmetall aber auch Risiken hinsichtlich eines möglichen Zinsanstiegs in den USA.

9. Megatrends: Alternativen abseits des Kapitalmarktalltags

Insbesondere in Zeiten schwankender Märkte kann sich für Anleger ein Blick auf langfristige Entwicklungen lohnen – etwa in der Automobilindustrie: Beim „Auto der Zukunft“ zum Beispiel dürften Tech-Unternehmen ihren Anteil an der Wertschöpfungskette deutlich erhöhen. Ein weiterer Trend ist das Internet der Dinge, also die intelligente Vernetzung alltäglicher Gebrauchsgegenstände. Schließlich dürfte die Bedeutung der Bereiche Gesundheit und Biotechnologie in vielen alternden Gesellschaften weiter steigen. Von diesen Entwicklungen könnten die Branchen Biotechnologie und Pharma, Gesundheitsausrüstung, Softwaredienstleister sowie die Halbleiterindustrie besonders stark profitieren.

10. Risiko & Portfolio: Es kann auch gut ausgehen!

Das größte Risiko für die weltwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2017 ist aus meiner Sicht ein möglicher ungeordneter Zinsanstieg in den USA. Zunehmender Protektionismus sowie die Wachstumsschwäche des Welthandels könnten zusätzliche Belastungsfaktoren darstellen. In Kombination mit einer anziehenden Inflation würde ein schwaches Wirtschaftswachstum in einigen Ländern sogar zu Stagflationstendenzen führen. Positive Impulse für die Finanzmärkte dürften die in den USA, aber auch in China sowie Japan zu erwartenden Fiskalprogramme geben. Anleger sollten insgesamt flexibel agieren: Eine dynamische Steuerung des Portfolios scheint ratsam. Ein besonderes Augenmerk könnten entsprechend risikobereite Anleger dabei – auch aufgrund der erwarteten Aufwertung des US-Dollar – auf US-Investments richten: Seien es Aktien, Anleihen oder Immobilien.

Jahresausblick

2016 war ein herausforderndes Jahr für Anleger: Die Abwertung der chinesischen Währung, der Ölpreisanstieg, die Brexit-Diskussion und der Wahlkampf in den USA sorgten für Unruhe an den Märkten. In diesem Umfeld erwiesen sich die meisten Prognosen der Deutschen Bank als voll zutreffend. Von Ruhe in den USA war jedoch kaum etwas zu spüren und die Aktienmärkte in Japan und Europa schwankten stärker als erwartet. Überraschend war zudem der deutliche Preisanstieg beim Öl – einem Markt, der sich genauen Prognosen ohnehin entzieht.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft im Zeichen der USA

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16

USA
  • US-Politik mit maßgeblichem Einfluss auf das Weltwirtschaftswachstum
  • Europa als Bremsklotz der globalen Wirtschaftsentwicklung
  • Schwellenländer fundamental insgesamt solide aufgestellt

Der Welt dürften unruhige Zeiten bevorstehen: So stark wie selten zuvor in den vergangenen zwei Jahrzehnten könnten 2017 politische Entscheidungen Einfluss auf die weltwirtschaftliche Entwicklung nehmen – im Positiven wie im Negativen. Die größten Belastungsfaktoren dürften die Tendenzen hin zu einer restriktiveren Einwanderungspolitik sowie zu einer zunehmend protektionistischen Wirtschaftspolitik darstellen. Positionen, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa auf dem Vormarsch sind.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine wesentliche Triebfeder scheint jedoch die ungleiche Verteilung des in den vergangenen Jahrzehnten erwirtschafteten Wohlstands zu sein. Tatsächlich haben Teile der Mittelschicht, insbesondere in den Industrieländern, von der Globalisierung bislang wenig profitiert – ihre Reallöhne sind mitunter sogar gesunken. Bei diesen Globalisierungsverlierern – und den Menschen, die sich zu ihnen zählen – stoßen die oftmals populistischen Forderungen nach mehr Abschottung und einem stärkeren Nationalstaat vermehrt auf Zustimmung.

Langfristige Wachstumsprobleme verschärfen sich

Statt gegenzusteuern und die Ursachen der wachsenden Ungleichheit zu beheben, versuchen die jeweiligen Regierungen weiterhin, mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen die größten Probleme zu überdecken. Das schont zwar einerseits zunächst die Wähler, weil es harte, aber notwendige wirtschaftliche Einschnitte hinausschiebt. Andererseits setzt es einen Teufelskreis in Gang: Wenn wenig produktive Unternehmen künstlich am Leben gehalten und Strukturreformen auf die lange Bank geschoben werden, führt das langfristig dazu, dass die Wirtschaft stagniert und die Situation sich verschärft (siehe Grafik).

Wachstum Weltwirtschaft
Welthandel mit Einbußen

In diesem Zusammenhang stellt auch die Entwicklung des Welthandels eine Herausforderung dar. Immer neue Handelsbarrieren setzen dem internationalen Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital bereits seit Jahren Grenzen (siehe Grafik) – ein Trend, der sich 2017 fortsetzen dürfte.

Investitionsprogramme sorgen für konjunkturelle Stimuli

Während sich die langfristigen Wachstumshemmnisse nur strukturell abbauen lassen, dürften insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen der Weltkonjunktur 2017 einen spürbaren Wachstumsschub verleihen. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank mit einem positiven Impuls: Nach einem erwarteten Plus von 3,0 Prozent im Jahr 2016 könnte die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten um 3,4 Prozent zulegen.

Konjunkturbeschleunigung in den USA – mit einigen Fragezeichen

Die Zeichen für die US-Wirtschaft standen schon vor der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten auf höheres Wachstum. Im Zuge des steigenden Ölpreises hatten die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen bereits im Jahresverlauf 2016 wieder angezogen. Nach dem Wahlergebnis vom 8. November schraubte die Deutsche Bank ihre US-Wachstumsprognose für das Jahr 2017 noch einmal nach oben: von 1,7 auf aktuell 2,3 Prozent. Grund für die positivere Prognose sind in erster Linie Trumps Pläne für umfassende fiskalische Maßnahmen. Diese sehen neben erheblichen Steuererleichterungen für US-Unternehmen und -Bürger unter anderem Infrastrukturausgaben in Höhe von bis zu einer Billion US-Dollar vor.

Fraglich bleiben dabei allerdings der konkrete zeitliche Rahmen und der tatsächliche Umfang der Programme. So dürften die Infrastrukturinvestitionen wie auch die von Trump angekündigten Deregulierungsvorhaben, etwa in den Bereichen Energie oder Finanzen, erst mit einiger Verzögerung konjunkturell zu Buche schlagen. Darüber hinaus scheint der Umfang von einer Billion US-Dollar zu hoch gegriffen: Zwar stellen die Republikaner nicht nur den Präsidenten, sondern gleichzeitig die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses. Allerdings droht Trump bei wichtigen Entscheidungen auch aus den eigenen Reihen Gegenwind: Während Steuererleichterungen vergleichsweise unkompliziert zu verabschieden sein dürften, steht die republikanische Partei Ausgabenerhöhungen traditionell kritisch gegenüber – ein konjunkturtreibendes Infrastrukturprogramm scheint insgesamt zwar wahrscheinlich, allerdings in abgespeckter Form. Gleiches gilt für die vorgesehene zunehmende Abschottung der USA vom Welthandel. Hier bleibt abzuwarten, in welchem Umfang Trump seine protektionistischen Pläne umsetzen kann.

Europa vor richtungsweisendem Super-Wahljahr 2017

Protektionistische Maßnahmen der USA würden auch die europäischen Volkswirtschaften belasten. In der Alten Welt erscheinen jedoch die hausgemachten Herausforderungen noch deutlich größer. Insbesondere der Wahlkampf in wichtigen Euroländern führt zu Zurückhaltung bei Reformen sowie Investitionen und setzt die Wirtschaft unter Druck: So stehen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland 2017 Parlamentswahlen an – allesamt mit ungewissem Ausgang und dem Risiko erstarkender populistischer und europafeindlicher Parteien. Hinzu kommen Neuwahlen in Italien und möglicherweise auch in Griechenland sowie instabile Minderheitsregierungen in Spanien und Portugal. Auch in Großbritannien könnte, je nach Verlauf der weiteren Brexit-Diskussionen, ein neuer Urnengang notwendig werden.

Zumindest geldpolitisch dürfte der europäischen Konjunktur aber kein Gegenwind drohen. Denn die Europäische Zentralbank hat jüngst ihr Anleiheankaufprogramm um neun Monate bis Dezember 2017 verlängert – wenn auch mit reduziertem Ankaufsvolumen ab April. In Kombination mit einer moderaten Inflation und der geringen Wirtschaftsdynamik in der Eurozone scheint nur ein moderater Anstieg der Kapitalmarktzinsen wahrscheinlich. Aufgrund der hohen Zinsdifferenzen zu den USA erwartet die Deutsche Bank zum Jahresende 2017 einen Euro-Dollar-Kurs von 0,95.
In diesem Umfeld sind die Wachstumsprognosen für die Eurozone eher zurückhaltend: Nach 1,7 Prozent für das Jahr 2016 erwartet die Deutsche Bank für 2017 nur noch 1,3 Prozent. Damit ist die Eurozone global gesehen mittlerweile zum Bremsklotz der Weltwirtschaft geworden. Deutschland profitiert zwar weiterhin von einem vergleichsweise soliden Arbeitsmarkt und einem ebensolchen Binnenkonsum. Aber auch Europas größte Volkswirtschaft wird den globalen Entwicklungen Tribut zollen müssen. So dürften das Exportwachstum stagnieren und die Staatsausgaben nach dem flüchtlingsbedingten Schub nachlassen. Insgesamt bleibt aus Sicht der Deutschen Bank dadurch noch ein Plus von 1,1 Prozent für das Jahr 2017 – nach 1,9 Prozent für 2016.

Langsame Fortschritte in Japan

Ähnlich wie in Deutschland hängt auch in Japan viel an der Exportwirtschaft. Insofern treffen die Unsicherheiten hinsichtlich protektionistischer US-Maßnahmen das Reich der aufgehenden Sonne ähnlich stark. Allerdings dürfte der fiskalische Impuls dort weiterhin deutlich größer ausfallen als in Deutschland. Auch wenn dieser bisher noch kaum auf die Realwirtschaft durchgeschlagen ist, könnten sich langsam erste positive Effekte einstellen. Da die Bank of Japan die Zinsen um 0 Prozent halten dürfte, ist weiter von einem schwachen Yen zum US-Dollar auszugehen – wovon der japanische Export profitieren sollte. Die Deutsche Bank rechnet mit einem leichten Anstieg der Inflation und einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent für 2017.

Schwellenländer insgesamt solide aufgestellt

Nach wie vor stärker als in den Industrieländern präsentiert sich die Wirtschaft in den meisten Schwellenländern. Insgesamt könnten die aufstrebenden Märkte im Jahr 2017 mit 4,6 Prozent wachsen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Volkswirtschaften weiterhin groß: Während Russland und Brasilien mit einem erwarteten Konjunkturplus von 1,6 beziehungsweise 0,5 Prozent der Rezession entkommen könnten, zählen China mit 6,5 und Indien mit 7,0 Prozent zu den globalen Wachstumsriesen.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung könnten auch in den Schwellenländern hauptsächlich seitens der Politik in den Vereinigten Staaten drohen. Unter einer möglichen Abschottung des US-Marktes dürften aufgrund ihrer engen regionalen Verflechtungen insbesondere einige latein- amerikanische Staaten leiden, aber auch stark exportorientierte Länder wie Südkorea, Singapur oder Thailand. Rohstoffländer hingegen könnten negative protektionistische Einflüsse wohl weitestgehend über eine höhere Rohstoffnachfrage im Zuge eines anziehenden US-Wachstums kompensieren. Auch starke Binnenmärkte wie Indien wären wahrscheinlich weniger betroffen. Für Osteuropa wiederum dürften eher die Entwicklungen in der Eurozone entscheidend sein.

Bedeutung von Exporten

Insgesamt scheinen die Schwellenländer aber gegen externe Schocks fundamental besser aufgestellt zu sein als noch vor ein paar Jahren: Sie konnten ihre Währungsreserven erhöhen, ihre Leistungsbilanzdefizite senken und ihr Wirtschaftswachstum stabilisieren. Bis mehr Klarheit über die konkreten politischen Entwicklungen in den USA herrscht, dürften sie jedoch anfällig bleiben – insbesondere hinsichtlich der Währungsentwicklung. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren dürften Abwertungen ihrer Währungen von den Marktteilnehmern allerdings nicht als Risiko interpretiert werden. Denn diese wären eher einer Stärke des US-Dollar geschuldet als einer Schwellenländer-Schwäche.

2017 sind alle Augen auf die USA gerichtet

Die wirtschaftliche Stimmung weltweit hat sich bereits in den letzten Monaten des Jahres 2016 deutlich belebt – steigenden Rohstoffpreisen und der Ankündigung umfangreicher fiskalischer Maßnahmen zum Dank. Trotz vieler politischer Unsicherheitsfaktoren sollte dieser Trend nach Einschätzung der Deutschen Bank über das Jahr 2017 hinaus anhalten. Für Anleger dürfte es aufgrund der erwarteten Schwankungen an den Kapitalmärkten trotzdem ein herausforderndes Jahr werden, was ein aktives Management des Portfolios notwendig machen dürfte.

Aktien

2017: Erst US-Aktien, danach der Rest der Welt

Aktien – 19.12.16

Wall Street
  • US-Aktien: dank positiver Gewinnerwartungen mit interessantem Kurspotenzial
  • Japanischer und deutscher Markt von externen Faktoren abhängig
  • Asiatische Staaten unter den Schwellenländern könnten interessant sein

Auch wenn sie 2017 wieder leicht anziehen sollten: Wachstumsraten wie vor der Finanzkrise dürfte die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit nicht mehr erreichen. Je schleppender sich jedoch die globale Konjunktur entwickelt, desto mehr dominieren andere Einflussfaktoren die internationalen Aktienmärkte – zum Beispiel das politische Umfeld oder die Entwicklung anderer Anlageklassen. Den von der Deutschen Bank erwarteten Schwankungen an den weltweiten Rentenmärkten etwa dürften sich auch die Aktienmärkte nicht entziehen können.

Möglicher Fokus auf Dividenden

Seit der Präsidentschaftswahl ist in den USA ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen zu beobachten – ein Trend, der das Potenzial defensiver Aktien, darunter Dividendentitel, in der ersten Jahreshälfte 2017 begrenzen könnte. Denn Investoren, die ihren Fokus auf stabile Renditen legen, dürften sich wieder vermehrt dem Rentenmarkt zuwenden. Sobald sich die US-Zinsen jedoch, wie von der Deutschen Bank erwartet, im Jahresverlauf stabilisieren, könnten auch defensive Titel wieder verstärkt ins Blickfeld der Marktteilnehmer geraten. Dividendentitel könnten vor diesem Hintergrund weiterhin ein interessantes langfristiges Investment für entsprechend risikobereite Anleger darstellen, zumal Gewinnausschüttungen einen Teil zur Gesamtperformance eines Aktienportfolios beitragen können. Das dürfte auch im kommenden Jahr gelten, in dem mit einem eher moderaten Gewinnwachstum der Unternehmen zu rechnen ist: Im Durchschnitt erwarten die Analysten zwar ein niedriges zweistelliges Plus weltweit (siehe Grafik). Die Deutsche Bank geht allerdings davon aus, dass die Prognosen in Zukunft nach unten korrigiert werden könnten – und das in Europa stärker als in den USA.

Aussichten

US-Aktien könnten weiter von Trump profitieren

Die Vereinigten Staaten könnten 2017 alles in allem eine interessante Region für entsprechend risikobereite Aktienanleger darstellen. Neben den vergleichsweise soliden Gewinnerwartungen der US-Unternehmen dürften insbesondere einige Vorhaben des künftigen Präsidenten Donald Trump den US-Aktienmarkt stimulieren. Dazu zählen ein groß angelegtes Fiskalprogramm, Steuererleichterungen für Unternehmen und weniger Regulierungen. Auch wenn deren konkrete Ausgestaltung noch unklar ist, dürften US-Unternehmen von den erwarteten Maßnahmen profitieren.

Branchenstruktur könnte für US-Markt sprechen

Neben den angekündigten fiskalpolitischen Impulsen könnte auch die Struktur des US-Aktienmarktes für Investments jenseits des Atlantiks sprechen. Aufgrund der demografischen Entwicklung sowie der weltweit zunehmenden Digitalisierung hält die Deutsche Bank langfristig die Sektoren Technologie und Gesundheit für aussichtsreich – zwei Bereiche, die im US-Aktienmarkt stark vertreten sind. Im S&P 500 zum Beispiel tragen sie zusammen mit etwa 34 Prozent zur Marktkapitalisierung bei, während es im europaweiten Stoxx 600 nur rund 16 Prozent sind. Die Gesundheitsbranche kämpft derzeit jedoch mit politischem Gegenwind, denn die künftige US-Regierung wird voraussichtlich die Preissetzungspolitik der Pharmaunternehmen unter die Lupe nehmen. Dies gilt es zu beobachten. Der Finanzsektor könnte 2017 als Profiteur von Deregulierungsmaßnahmen und einem höheren Zinsniveau ebenfalls im Fokus stehen.

Weltkarte

Politische Unsicherheiten dominieren Europa

Während in den USA mit der Präsidentschaftswahl zumindest einige Unsicherheitsfaktoren bereits abgehakt zu sein scheinen, hat Europa im kommenden Jahr noch zahlreiche vor sich – darunter die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Italien und Deutschland. Wichtig bleibt es zudem, die politischen Entwicklungen in Großbritannien, Portugal und Spanien zu beobachten. Wenngleich in jedem dieser Risiken auch eine Chance liegen kann: Zunächst könnten sie unter den Marktteilnehmern für Zurückhaltung sorgen. Das Kurspotenzial dürfte damit auf die Höhe der Zuwächse bei den Unternehmensgewinnen begrenzt sein. Für den Stoxx 600 erwartet die Deutsche Bank, anders als viele andere Analysten, für 2017 kein zweistelliges Gewinnwachstum.

Zyklischer DAX möglicherweise mit Gegenwind

Der DAX ist einer der exportlastigsten und zyklischsten Indizes weltweit und hängt dadurch stark vom Welthandel ab. Von einer Erholung der Weltwirtschaft würde er entsprechend profitieren. Unterstützung dürften die deutschen Exportunternehmen auch von der erwarteten Schwäche des Euro erhalten. Mögliche US-Handelsrestriktionen sowie eine eventuelle Konjunkturabkühlung in China könnten dagegen zu Belastungen führen. Zu beachten ist außerdem, dass der DAX durch den Automobilsektor dominiert wird, der rund 15 Prozent der Marktkapitalisierung ausmacht. Aktuell zeigen sich die Investoren hinsichtlich dieser Branche zurückhaltend – schließlich ist derzeit noch unklar, wie sich der globale Trend zur Elektromobilität auf das Geschäftsmodell der klassischen Autobauer auswirken wird.

Japans Aktienmarkt hängt am Yen

Ähnlich abhängig vom Exportgeschäft sind viele japanische Unternehmen. Der Yen spielt daher eine entsprechend große Rolle für die Kursentwicklung am japanischen Aktienmarkt. Für 2017 rechnet die Deutsche Bank mit einem schwachen Yen im Vergleich zum US-Dollar, getrieben von der expansiven Geldpolitik der Bank of Japan. Außerdem sollten die eingeleiteten Reformen in Bezug auf die Unternehmensführung und den effizienteren Einsatz der hohen Bargeldbestände japanischer Konzerne ihre Wirkung weiter entfalten. Auf lange Sicht bleibt die Deutsche Bank für den japanischen Aktienmarkt daher positiv gestimmt. Was für den DAX gilt, gilt jedoch auch hier: Eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft sowie Handelsrestriktionen durch die USA wären mögliche Belastungsfaktoren.

China: Zwischen Reformen und Wachstum

Im Spannungsfeld zwischen Reformen und Wachstum dürfte China den Umbau seiner Wirtschaft 2017 weiter vorantreiben. Die Deutsche Bank rechnet hier mit weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, um Schwächen beim Wirtschaftswachstum zu verhindern. Diese könnten dem chinesischen Aktienmarkt Rückenwind verleihen, bergen aber auch Risiken, etwa wenn die Wirtschaft zu überhitzen droht und die Regierung deshalb ihre Maßnahmen zurückfährt. Bei den Gewinnen präsentierten die chinesischen Unternehmen zuletzt ordentliche Zahlen – ein Trend, der sich nach Ansicht der Deutschen Bank fortsetzen könnte.

Indien weiter auf Reformkurs

Wie China befindet sich auch Indien derzeit auf einem Reformkurs. So hat die Regierung um Ministerpräsident Narendra Modi zuletzt die beiden größten Rupienscheine eingezogen, um die Korruption einzudämmen. Das führte zwar zunächst zu größeren Problemen, zum Beispiel im Einzelhandel und Immobiliensektor, und setzte auch die Aktienkurse unter Druck. Die Deutsche Bank geht jedoch davon aus, dass die negativen Folgen der Reform im Jahresverlauf 2017 abklingen werden. Langfristig sollte die Maßnahme zu Einnahmeverbesserungen auf staatlicher Seite führen – was wiederum den Spielraum für wirtschaftliche Stützungsmaßnahmen erhöhen würde. Abseits der Reformdynamik könnte die stabile Gewinnsituation vieler indischer Unternehmen für den Aktienmarkt des Subkontinents sprechen. Die Deutsche Bank attestiert diesem langfristig weiteres Potenzial – wenngleich der Reformeifer hier auch phasenweise immer wieder zu kurzfristigen Belastungen führen kann.

Einen näheren Blick wert scheinen für entsprechend risikobereite Anleger in Asien außerdem der indonesische Aktienmarkt sowie Taiwan und Südkorea. Bei Letzteren gilt es jedoch im Blick zu behalten, wie sich mögliche US-Handelsrestriktionen auf den stark vom US-Geschäft abhängigen Technologiesektor auswirken könnten. Unter den Schwellenländern außerhalb Asiens zeigten zuletzt Russland und Brasilien Erholungstendenzen. In Russland könnte eine Lockerung der Sanktionen die Kurse weiter treiben, in Brasilien das von Präsident Michel Temer geplante Fiskalpaket. Angesichts der strukturellen Schwächen beider Volkswirtschaften scheinen Investments aktuell jedoch noch zu risikobehaftet.

Portfolio: USA vor Europa

Insgesamt könnten Aktien auch im kommenden Jahr unter Berücksichtigung der entsprechenden Risiken ein interessantes Investment bleiben – insbesondere in den USA. Zwar sind US-Titel aktuell bereits vergleichsweise hoch bewertet, dürften aber dennoch weiteres Kurspotenzial durch Steigerung der Unternehmensgewinne haben. Europa hingegen scheint auch zukünftig unter den zahlreichen politischen Unsicherheiten zu leiden – auch wenn diesbezüglich Chancen auf eine gewisse Erholung bestehen. Unter den Schwellenländern bleibt Asien im Jahr 2017 für die Deutsche Bank die bevorzugte Anlageregion. Auf Sektorenebene könnte sich langfristig der Blick auf die Technologie- sowie Gesundheitsbranche lohnen. Besondere Aufmerksamkeit dürfte zudem der Finanzsektor erfahren, der von einem höheren Zinsniveau profitieren könnte.

Anleihen

Am Anleihemarkt ist hohe Flexibilität gefragt

Anleihen – 19.12.16

Dollar / Euro
  • Für Euroanleger scheint 2017 insbesondere der US-Anleihemarkt interessant
  • In Europa und Japan dürften die Zinsen niedrig bleiben
  • Anleihemärkte in den Schwellenländern könnten sich weiter beruhigen

Blickt man auf die Zinsprognosen zum Jahresende 2017, wird deutlich, dass die Rentenmärkte in Bewegung bleiben dürften. Denn sowohl in den USA als auch in Deutschland liegen die Zinserwartungen auf einem höheren Niveau als die derzeitigen Zinssätze: Für 10-jährige US-amerikanische Staatsanleihen rechnet die Deutsche Bank mit 3,1 Prozent, für ihre deutschen Pendants mit 0,9 Prozent. Bis dahin könnten Rentenanlegern turbulente Zeiten bevorstehen. Gründe dafür sind die Vielzahl politischer Unsicherheitsfaktoren und die daraus resultierende Verunsicherung der Marktteilnehmer.

Betroffen von der zunehmenden Volatilität dürften sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen sein – auch wenn Unternehmenspapiere trotz einer möglichen Ausweitung der Zinsdifferenzen zu Staatspapieren eine insgesamt bessere Performance zeigen könnten. Regional könnte der US-Markt für Euroanleger im kommenden Jahr interessant sein. Zum einen aufgrund des deutlich höheren Zinsniveaus als in Europa. Zum anderen im Hinblick auf mögliche Währungseffekte im Zuge einer von der Deutschen Bank erwarteten US-Dollar-Stärke.

Zinswende in den USA

Die US-Präsidentschaftswahl dürfte nach 35 Jahren tendenziell sinkender Renditen und steigender Anleihekurse die Zinswende in den USA endgültig eingeleitet haben: Nach dem Sieg Donald Trumps Anfang November stiegen die Kapitalmarktzinsen innerhalb weniger Tage von 1,8 auf über 2,3 Prozent an. In Erwartung fiskalpolitischer und zunehmend protektionistischer Maßnahmen seitens der Trump-Regierung rechnen viele Marktteilnehmer in den kommenden Monaten mit einem erhöhten Emissionsvolumen von US-Staatsanleihen sowie mit Lohnsteigerungen, die letztlich zu einem Aufwärtsdruck bei der US-Inflation führen könnten. Ab dem Zeitpunkt, an dem Trump damit beginnt, seine Ankündigungen zu konkretisieren, erwartet die Deutsche Bank ein weiteres Anziehen der laufenden Verzinsung in den USA. Der Zinshöhepunkt könnte im Spätsommer 2017 erreicht werden.

Die Hauptgründe für eine mögliche Deckelung der US-Zinsen sieht die Deutsche Bank in zu erwartenden Schwierigkeiten bei der tatsächlichen Umsetzung der Pläne Trumps. Hinzu kommen externe Einflüsse. Denn aufgrund der engen Verflechtungen der bedeutenden Notenbanken untereinander – als Gläubiger und Schuldner – sowie ihres gemeinsamen Interesses, große Zinsunterschiede zu vermeiden, dürfte das nach wie vor sehr niedrige Zinsniveau in Europa und Japan ein zu starkes Hochlaufen der US-Zinsen begrenzen – auch wenn die Gefahr eines unkontrollierten Zinsanstiegs in den USA dadurch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Geldpolitisch dürften die gestiegenen Anleiherenditen durch zwei Leitzinsanhebungen der US-Notenbank im kommenden Jahr gestützt werden.

Zinswende

Alles beim Alten in der Eurozone – UK unter Druck

In der Eurozone dürften die schwache wirtschaftliche Dynamik sowie die demografische Entwicklung auch 2017 den Inflationsdruck niedrig halten. Das eröffnet der Europäischen Zentralbank (EZB) Spielraum für die Fortsetzung ihrer auf Konjunkturbelebung ausgerichteten ultralockeren Geldpolitik; bereits Mitte Dezember 2016 verkündete sie die Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms um neun Monate bis Dezember 2017. Dadurch, dass die EZB weiter als Käufer von Euro-Staats- und Unternehmensanleihen auftritt, wird sie die Nachfrage hoch und die entsprechenden Anleiherenditen niedrig halten können.

In Großbritannien wird als Folge des angestrebten EU-Austritts in den kommenden fünf Jahren eine zusätzliche Staatsschuldenaufnahme in Höhe von 120 Milliarden britischen Pfund erwartet. Dabei könnten aufgrund der aktuell niedrigen Verzinsung insbesondere langlaufende Staatsanleihen ausgegeben werden. Die Deutsche Bank erwartet im Jahr 2017 leicht steigende Zinsen, sieht aber für Euroanleger bei britischen Staats- und Unternehmenspapieren eher geringes Potenzial.

Schwellenländer solider, aber weiter dollarabhängig

Schwellenländeranleihen verbuchten 2016 ein gutes Jahr. Seitdem die Kapitalmarktzinsen in den USA gestiegen sind, ist ihre Entwicklung jedoch zusehends unter Druck geraten: Kapitalabflüsse in die Vereinigten Staaten ließen ihre Renditen steigen – jedoch weniger stark als von einigen Marktteilnehmern befürchtet. Denn im Gegensatz etwa zum Jahr 2013, als die bloße Ankündigung der US-Notenbank, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren, zu einer erheblichen Kapitalflucht aus den Schwellenländern führte – dem sogenannten Taper Tantrum –, scheinen viele dieser Länder heute fundamental deutlich besser aufgestellt zu sein. Die Deutsche Bank geht daher davon aus, dass sich der Anleihemarkt in den Schwellenländern im Jahresverlauf 2017 weiter beruhigen dürfte. Dann könnte die vergleichsweise hohe Verzinsung der Papiere wieder verstärkt in den Fokus von entsprechend risikobereiten Anlegern rücken. Neben Hartwährungsanleihen in US-Dollar könnten unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie dem Aufbau neuer US-Handelsbarrieren oder einem enttäuschenden US-Konjunkturverlauf auch Lokalwährungsanleihen interessante Möglichkeiten für entsprechend risikobereite Euroanleger bieten. Denn im Vergleich zum Euro dürften nicht nur der US-Dollar, sondern auch viele Schwellenländerwährungen 2017 an Stärke gewinnen.

Im Jahresverlauf wieder Jagd auf Rendite

Für die Deutsche Bank könnten im Jahr 2017 US-Anleihen sowohl unter Rendite-Risiko-Aspekten als auch aus Währungsgesichtspunkten interessant sein. Sollten sich die Märkte im Jahresverlauf weiter beruhigen, könnten entsprechend risikobereite Anleger auch höhere Renditemöglichkeiten in den Blick nehmen, etwa in den Schwellenländern. Wichtig wird es dabei sein, das globale politische Umfeld sehr genau zu beobachten und das Portfolio so zusammenzustellen, dass auf überraschende Entwicklungen schnell reagiert werden kann.

Immobilien

Interessantes Fundament fürs Depot?

Immobilien – 19.12.16

Immobilien

Bereits seit einigen Jahren geht es mit den Immobilienpreisen in vielen Regionen der USA und Deutschlands immer weiter nach oben. Auch aufgrund des Mangels an interessanten Anlagealternativen zieht die Anlageklasse zunehmend Kapital an. Die Deutsche Bank hält die aktuelle Preisentwicklung weiterhin für gerechtfertigt und sieht derzeit weder in Deutschland noch in den USA Anzeichen einer überregionalen Blasenbildung. Vielmehr könnte sich der positive Trend fortsetzen: Das interessante Zinsumfeld für Immobilieninvestoren dürfte 2017 bestehen bleiben und die Nachfrage insbesondere in den Ballungszentren treiben.

Konjunktur stützt US-Immobilien

In den USA basiert die positive Entwicklung des Gewerbeimmobilienmarktes in erster Linie auf der soliden Konjunktur sowie der niedrigen Arbeitslosenquote, die mit weniger als 5 Prozent aktuell in Richtung Vollbeschäftigung tendiert. Diese beiden Faktoren dürften die Nachfrage nach entsprechenden Objekten in US-Ballungszentren aller Voraussicht nach auch 2017 treiben. Hinzu kommt, dass die Neubautätigkeit in diesem Segment weiterhin vergleichsweise gering ist. Einen genaueren Blick lohnen könnten US-Logistikimmobilien, die insbesondere von den Veränderungen in den Lieferketten profitieren dürften. So erwartet die Deutsche Bank, dass die wachsende Bedeutung des Onlinehandels zunehmend nationale Verteilerstationen und regionale Warenlager erfordert, um den Anforderungen an eine schnelle Distribution gerecht zu werden.

Insgesamt erwartet die Deutsche Bank für langfristig vermietete US-Gewerbeobjekte in guter Lage bis 2020 eine Rendite von im Schnitt 6 bis 8 Prozent jährlich – mögliche Währungseffekte für Euroanleger durch eine US-Dollar-Aufwertung nicht mitgerechnet. Zu beachten gilt es jedoch, dass sich der Markt bereits in einer „reiferen“ Entwicklungsphase befindet – sich also selbst ähnliche Objekte aus dem gleichen Segment unterschiedlich entwickeln können.

Japan: Mehr als Tokio

Auch der japanische Gewerbeimmobilienmarkt verzeichnet derzeit dank niedriger, weiter sinkender Leerstände und daraus resultierender Mietzuwächse am Büroimmobilienmarkt eine positive Entwicklung. Interessant erscheint etwa der Büromarkt in Osaka, der eine Spitzenposition hinter Tokio einnimmt. In der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt sind zwar weniger dynamische Mietsteigerungen zu beobachten als in der Hauptstadt – infolge der niedrigeren Immobilienpreise könnten sich jedoch zum Teil höhere Miet- und Gesamtrenditen erzielen lassen.

Deutschlands Wohnungsmarkt

In Europa könnten sich auch 2017 insbesondere am deutschen Wohnimmobilienmarkt interessante Investmentmöglichkeiten ergeben. Zwar sind die Kaufpreise seit der Finanzkrise 2008 doppelt so schnell gestiegen wie die Mieten. Jedoch dürfte es sich dabei weniger um Vorzeichen einer Blasenbildung als um Nachholeffekte handeln: Vor der Finanzkrise hinkten die Preis- den Mietsteigerungen lange hinterher. Damit scheinen deutsche Immobilien auch im europäischen Vergleich aktuell nach wie vor nicht zu teuer.

Langfristig stabile Erträge möglich

Ein breit gestreutes Immobilieninvestment kann nach Ansicht der Deutschen Bank unter Berücksichtigung der entsprechenden Risiken weiterhin ein Bestandteil eines ausgewogenen Depots darstellen – nicht zuletzt aufgrund der möglichen langfristig stabilen Erträge. Bei der Auswahl der Objekte scheint eine umfassende Marktexpertise 2017 jedoch besonders wichtig zu sein.

Büroflächen
Rohstoffe

Rohstoffe: Unsicherheiten überwiegen Preispotenzial

Rohstoffe – 19.12.16

Rohstoffe

Nach den Steigerungen in den vergangenen zwölf Monaten scheint das Aufwärtspotenzial am Ölmarkt im Jahr 2017 begrenzt. Zwar könnten die Ölnotierungen unter anderem durch den jüngsten Beschluss der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) gestützt werden: Diese wollen ihre tägliche Fördermenge ab Januar 2017 von 33,8 auf 32,5 Millionen Barrel kürzen. Zudem haben auch einige Nicht-OPEC-Länder angekündigt, ihre Produktion zu deckeln.

Gleichzeitig jedoch dürfte die gestiegene Marktmacht der US-Förderer einen möglichen Preisanstieg dämpfen: Ab einem Ölpreis von rund 50 US-Dollar würden diese nach Einschätzung der Deutschen Bank ihre Produktion hochfahren und damit die Förderkürzung der OPEC kompensieren. Dafür stehen zahlreiche Fracking-Bohrlöcher bereit, die vergleichsweise kurzfristig aktiviert werden könnten. Abzuwarten bleibt, wie Trump mit dem Iran-Abkommen umgehen wird. Die von ihm ins Spiel gebrachte Aufkündigung könnte durchaus zu einer Angebotsreduktion beitragen. Das erscheint derzeit zwar wenig wahrscheinlich, verdeutlicht aber die große Unsicherheit am Ölmarkt.

Ölpreis

Das Nachfragewachstum sollte sowohl durch den Umbau der chinesischen Wirtschaft weg von energieintensiver Schwerindustrie als auch durch den weltweiten Ausbau alternativer Energien sowie steigende Energieeffizienz langfristig begrenzt bleiben. Die Deutsche Bank rechnet in diesem Umfeld mit einem Ölpreis von 57 US-Dollar pro Barrel für die Sorte Brent zum Jahresende 2017.

Große Schwankungen am Goldmarkt erwartet

Beim Goldpreis sieht die Deutsche Bank mit einer Jahresendprognose von 1.230 US-Dollar pro Feinunze ebenfalls moderates Aufwärtspotenzial. Allerdings ist auch diese Einschätzung mit großen Unwägbarkeiten behaftet. Für einen steigenden Goldpreis etwa dürften die politischen Unsicherheiten insbesondere in Europa sprechen. Dagegen spricht das zuletzt gestiegene Zinsniveau in den USA. Denn im Vergleich zu US-Staatsanleihen erzielt Gold keine laufenden Renditen – steigende Zinsen führen so zu höheren Opportunitätskosten für Goldanleger und drücken gegebenenfalls die Nachfrage.

Belasten dürfte den Goldpreis auch die erwartete US-Dollar-Stärke. Da Gold in der US-Währung gehandelt wird, würden Investments in das Edelmetall für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer und damit weniger interessant werden. Insgesamt handelt es sich beim Goldmarkt zudem um einen vergleichsweise kleinen Markt, an dem bereits geringe Mengenveränderungen zu großen Preiseffekten führen können. Für Anleger auf der Suche nach einem Investment mit ausgewogenem Rendite-Risiko-Profil dürfte Gold daher 2017 kaum in Betracht kommen.

Trotz möglicher Fiskalimpulse: Kaum Potenzial bei Industriemetallen

Ähnliches gilt für Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer oder Stahl. Zwar ist auch im kommenden Jahr mit umfangreichen fiskalpolitischen Maßnahmen im Hauptabnehmerland China zu rechnen. Jedoch scheinen die Erwartungen hinsichtlich einer steigenden Nachfrage bereits in den Notierungen berücksichtigt. Das Preispotenzial fällt aufgrund mangelnder weiterer wirtschaftlicher Impulse daher eher moderat aus.

Insgesamt dürften Rohstoffinvestments insbesondere aufgrund der Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren für die meisten Anleger auch im Jahr 2017 kaum interessant sein.

Gastbeitrag

Willkommen im Trump-Zeitalter

Volkswirtschaft / Geldpolitik – 19.12.16

Markus Koch

Schreckgespenst oder Retter Amerikas – seit Ronald Reagan wurde wohl kein US-Präsident im Hinblick auf seine (geplante) Wirtschaftspolitik so kontrovers diskutiert wie Donald Trump. Wahrscheinlich ist, dass das US-Wachstum infolge der von Trump angekündigten staatlichen Investitionen sowie Steuersenkungen und Deregulierungen spürbar zulegen dürfte. Wahrscheinlich ist auch, dass die vorgenannten Maßnahmen die Inflationsrate und die Zinsen in den USA über die Maßen steigen lassen und in Verbindung mit einem erstarkenden US-Dollar und wachsenden Protektionismus die globalen Finanzmärkte erschüttern werden. Ausgang ungewiss.

Blick in die US-Vergangenheit: Reagan als Impulsgeber

Wer einen Blick in die Zukunft wagen will, sollte immer auch in die Vergangenheit schauen. Aus US-amerikanischer Sicht endete die letzte goldene Ära der Geldanlage schon zur Jahrtausendwende. Begonnen hatte sie Anfang der 1980er-Jahre nahezu zeitgleich mit der ersten Amtszeit Ronald Reagans. Davor hatte die Wall Street rund eineinhalb Jahrzehnte mehr oder minder auf der Stelle getreten. Die Bewertungen an den US-Aktienmärkten waren niedrig, die Margen der Unternehmen lagen am Boden und ihre Bilanzen waren marode, bedingt durch eine jahrelang überhöhte Inflation.

Doch dann trieben US-Präsident Ronald Reagan (Stichwort „Reaganomics“) auf der einen und Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher („Thatcherism“) auf der anderen Seite des Atlantiks die Deregulierung und die Globalisierung voran. Der Eiserne Vorhang fiel. Und die demografische Entwicklung mit den geburtenstarken Jahrgängen der sogenannten Babyboomer tat ein Übriges, um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Folge: Produktivität, Margen und Profite der US-Konzerne setzten zu einem ungeahnten Höhenflug an. Einer der größten Bullenmärkte des ausgehenden Jahrtausends war geboren: Bis zur Jahrtausendwende stieg der US-amerikanische S&P 500 um 1.500 Prozent. Die Zinsen langlaufender US-Staatsanleihen gaben im selben Zeitraum um rund 70 Prozent nach.
Nur wenige Wochen nach dem Millenniumswechsel kam der erste Megacrash: Die glitzernde Hightech-Welt der New Economy brach in sich zusammen. Es folgten die Anschläge vom 11. September 2001 und das Platzen der Blase am US-Hypothekenmarkt. Die Folgen sind bekannt.

Die heutige Welt ist geprägt von Unsicherheit

Die Welt zu Beginn des Trump-Zeitalters ist geprägt von Unsicherheit. Und das nicht nur ob der Unwägbarkeiten, die mit dem neuen Mann an der Spitze der größten Volkswirtschaft der Welt einhergehen. In der Folge der Globalisierung bewegen wir uns heute längst in einer multipolaren Welt, in welcher der globale Machtanspruch der USA durch mächtige Konkurrenten wie China oder Russland infrage gestellt wird. Mangels einer klaren Führung durch den Weltpolizisten USA nehmen die geopolitischen Unsicherheiten vielerorts weiter zu.

Trump

US-Gesellschaft driftet immer weiter auseinander

Globalisierung und Deregulierung können Wachstum bedeuten, aber auch einen reduzierten Schutz für Arbeiter und Angestellte. Die Mittelschicht schrumpft rasant – allen voran in den USA und Großbritannien. Gemessen am Median sind in den USA die realen Haushaltseinkommen 2015 zwar erstmals seit acht Jahren wieder gestiegen, sie erreichten aber lediglich das Niveau von 1995. Schon seit den 1980er-Jahren haben sich die Margen und die Produktivität zunehmend vom Lohnwachstum abgekoppelt. Von 2000 bis 2015 sank der Lohnanteil an den Erträgen der US-Konzerne um 7 Prozent, das entspricht 535 Milliarden US-Dollar.

Eine Entwicklung, die sich durch den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 noch verschärfte und die sich durch die Digitalisierung potenziert. Wo auf der einen Seite neue Arbeitsplätze für Hochqualifizierte entstehen, werden auf der anderen Seite Jobs vernichtet. Googles selbstfahrende Autos etwa könnten dereinst das Aus für Taxi- und Lkw-Fahrer bedeuten, Amazons vollautomatische Supermärkte das Ende der Kassiererjobs.

Dass die Spannungen in der US-amerikanischen Gesellschaft zugenommen haben, liegt aber nicht nur an der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen, sondern auch daran, dass die Bildungs- und Gesundheitskosten außer Kontrolle geraten sind. Ein Beispiel: Betrug die Summe der Zahlungsverpflichtungen aus offenen Studienkrediten in den USA 2004 noch rund 300 Milliarden US-Dollar, so liegt sie heute bei mehr als 1,2 Billionen US-Dollar. Geht es bei der Spanne zwischen Arm und Reich lediglich um größere Autos oder luxuriösere Häuser, so kann eine Gesellschaft das zumeist verkraften. Geht es aber um Notwendigkeiten wie eine gute Ausbildung oder eine angemessene Krankenversorgung für die Familie, so wird die Schere bei den Einkommen und Vermögen zu einem gesellschaftlichen Problem.

Ob zu Recht oder nicht: Trump weckt Amerikas Lebensgeister

Das Ergebnis kennen wir. In den USA heißt es Trump, in Großbritannien Brexit. Fast scheint es, dass die Wähler nun frei nach dem Motto des Dramatikers und Politikers George Bernard Shaw sagen: Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute, seht euch an, wo uns die Normalen hingebracht haben! Wie frustriert die US-amerikanische Bevölkerung in weiten Teilen zu sein scheint, zeigt nicht nur der Ausgang der US-Wahl, sondern auch die Reaktion auf den Sieg Trumps: Seit den Wahlen ist Erhebungen des Marktforschungsinstituts Gallup zufolge das Verbrauchervertrauen so rasant gestiegen wie seit neun Jahren nicht mehr.

Mit dem Einzug einer neuen Partei ins Weiße Haus werden seit jeher die Lebensgeister der Nation geweckt. Der Ökonom John Maynard Keynes sprach in diesem Zusammenhang von „animal spirits“, tierischen Instinkten. Dabei ist es zunächst einmal ganz egal, ob der Glaube an eine bessere Zukunft wirklich begründet ist oder eher auf tönernen Füßen steht. Der Glaube an Trump beflügelt nicht nur seine Wähler aus der weißen Arbeiterschicht. Microsoft-Mitbegründer und Multimilliardär Bill Gates etwa, der vor der Wahl kaum Sympathien für Trump aufbrachte, verglich ihn danach mit der Präsidentenikone John F. Kennedy. So wie dieser mit den Raumfahrtmissionen der NASA könne auch Trump das Land durch Innovation zusammenführen. Eine mutige Aussage.

Trump wird die USA verändern – abzuwarten bleibt wie

Mut und Hoffnung werden wir fortan in jedem Fall brauchen. Denn Amerika wird sich fundamental verändern, und das nicht immer im positiven Sinne. Neben den bereits genannten Steuererleichterungen für die Unternehmen und später auch für die Bevölkerung – inklusive einer Steueramnestie für im Ausland gebunkertes Kapital – sowie der geplanten Deregulierung und den Infrastrukturinvestitionen ist beispielsweise auch geplant, die unter dem Namen Obamacare von Trumps Vorgänger durchgeführte Gesundheitsreform zumindest in Teilen rückgängig zu machen. Nicht zuletzt könnten von der neuen US-Regierung Mitgliedschaften in internationalen Freihandelsabkommen gekündigt und neue Handelsbarrieren aufgebaut werden.

Selbst wenn nur ein Viertel der von Trump angekündigten Vorhaben umgesetzt wird, sollte die Wirtschaft profitieren. Zumal gelegentlich der Eindruck entsteht, dass Trumps Pläne von Experten ernster genommen werden als von ihm selbst.

Mein Fazit: Trump will Amerika „wieder groß machen“. Das ist ihm anscheinend schon vor seinem Amtsantritt gelungen. Doch mit den hochgeschraubten Erwartungen für die Wirtschaft und den Aktienmarkt ist im ersten Quartal auch Potenzial für Enttäuschung vorhanden. Solange die US-Notenbank Fed nur graduell die Zinsen normalisiert und die Wirtschaft auf einem moderaten Wachstumspfad bleibt, sollte selbst eine Korrektur dem Bullenmarkt kein Ende setzen. Alles Weitere muss das Trump-Zeitalter erst noch zeigen.

Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor verantwortlich. Die Inhalte spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Deutschen Bank wider.