Nach oben
Fonds-News
ANALYSE/Devisenmarkt schwankt wilder mit weniger Banken
11.10.16 / 10:56 (0 mal gelesen)

Von Chelsey Dulaney und Ira Iosebashvili

NEW YORK (Dow Jones)--Der Teilrückzug der Wall Street vom Devisenmarkt mag die Risiken bei Banken verringern, die Volatilität im Handel ist jedoch größer denn je.

Devisenanalysten sagen, dass das besonders am vergangenen Freitag zu beobachten war, als das britische Pfund im frühen asiatischen Handel innerhalb weniger Minuten von 1,26 Dollar auf 1,18 Dollar fiel. Einige elektronische Handelsplattformen zeichneten sogar Kurse von 1,15 Dollar auf.

Ein Grund, warum das Pfund so deutlich fiel, war nach Einschätzung von Analysten, dass an der Wall Street aufgrund neuer Bankenregeln weniger Fremdwährungen gehandelt würden. Diese Regulierung zwang Banken dazu, das sogenannte Marketmaking einzudampfen, bei dem sie Transaktionen erleichtern, indem sie Kurse für Kauf und Verkauf von Devisen stellen.

Die Besetzung an den Devisentischen bei US-Großbanken ist in der ersten Jahreshälfte um 23 Prozent auf 1.477 Händler geschrumpft. 2010 zählte der Bereich noch 1.916 Händler, berichtet die Beratungsfirma Coalition aus London. Die fünf größten Banken waren zuletzt für 44,7 Prozent des Marktvolumens verantwortlich, nach 61 Prozent im Jahr 2014, wie eine Umfrage von Euromoney zeigt.

Eigenhandelsfirmen und Hochgeschwindigkeitshändler, die vor allem quantitative Strategien verfolgen anstatt Entscheidungen durch Menschen zu treffen, haben das Vakuum gefüllt.

In Stressphasen wie rund um das britische Referendum über die EU-Mitgliedschaft und wie beim Pfund-Crash in der vergangenen Woche können die fehlenden Händler einen großen Unterschied machen, sagen einige Beobachter. Ein Markt, an dem vor allem Bankenhändler aktiv sind, hätte sich im dünnen Handel vielleicht vorsichtiger entwickelt.

Menschen hätten erkannt, dass das knappe Handelsvolumen zu übermäßigen Ausschlägen der Preise führen kann, sagen erfahrene Branchenvertreter. Banken gingen außerdem oft verlustbringende Positionen ein, um die Ausschläge am Markt zu glätten und so ihre Kunden zu beruhigen.

Der Abschied großer Banken vom Devisenmarkt spiegelt auch den Rückzug von anderen Märkten wie Immobilien, Private Equity und Rohstoffen wider, der Folge politischer Einflüsse und neuer Bankenregeln ist.

Hat Regulierung zu mehr Volatilität geführt?

Die Schwankungen am Devisen- wie auch und an anderen Märkten veranlassen einige Beobachter zur Frage, ob die höhere Volatilität womöglich eine ungewollte Konsequenz der Bankenregulierung ist, die Bilanzrisiken senken sollte. Robert Savage, Chef des Devisenhedgefonds CCtrack Solutions und ehemaliger Manager von Goldman Sachs, sagt, wenn die Volatilität so stark steigt, dass Hochgeschwindigkeits-Handelsprogramme beim Marketmaking Geld verlieren, dann wird der Betrieb eingestellt.

Handelsabteilungen mit richtigen Mitarbeitern hätten einen so starken Abverkauf verhindert, ist er sich sicher. "Man hätte herausgefunden, wer verkauft, ob es Neuigkeiten gibt", sagt Savage. "Früher hat man nicht verkauft, wenn es keinen fundamentalen Grund gab zu verkaufen."

Es ist nicht das erste Mal, dass Analysten die geringe Liquidität und den Mangel an Händlern dafür verantwortlich machen, dass der Devisenmarkt ausschlägt: So brach das Pfund in den Stunden nach Bekanntgabe der Ergebnisse des Brexit-Referendums um über 10 Prozent ein. Im Januar 2015 fiel der Euro zum Schweizer Franken sogar um bis zu 30 Prozent, nachdem die Schweizerische Nationalbank die Koppelung des Franken an den Euro aufgekündigt hatte. Die reduzierte Liquidität galt als Grund für die hohen Ausschläge.

Doch nicht jeder glaubt, dass der Devisenmarkt mit weniger Händlern schlechter dran ist. Isaac Lieberman, Chef des quantitativen Hedgefonds Aston Capital Management, sagt, dass der elektronische Handel zwar zu schnellen Ausschlägen führen kann, er ermögliche es den Märkten aber auch, sich schnell wieder zu erholen. Innerhalb einer Stunde nach dem Pfund-Crash vergangene Woche hatte sich die Währung wieder um 5 Prozent erholt.

Kevin McPartland, Chef der Marktstrukturanalyse bei der Beratungsfirma Greenwich Associates, glaubt, dass die Liquidität auch wieder größer wird, wenn mehr elektronische Händler am Markt einsteigen.

Schon seit einem Jahrzehnt verlagert sich der Devisenhandel immer mehr zu Maschinen. Die Deutsche Bank war einst führend beim Devisenhandel und steht jetzt nur noch für 7,9 Prozent des Marktes. 2015 waren es noch 15 Prozent, 2009 über 20 Prozent, zeigt eine Untersuchung von Euromoney.

Computerhändler im Aufwind

Die Citigroup verfügt unter den Großbanken inzwischen über den größten Anteil am Devisenhandel und hat sich ebenfalls etwas zurückgezogen. Ihr Marktanteil ist in diesem Jahr auf 13 Prozent. 2015 waren es noch 16 Prozent. Finanzchef John Gerspach sagte im Juli, dass die Bank ihre Kapazität im Devisen- und in anderen Handelsbereichen angepasst habe. Das Geschäft habe sich in den vergangenen fünf Jahren immens verändert und werde das wohl auch noch eine Zeit lang tun.

Die Devisengeschäfte, die nicht von Bankenhändlern ausgeführt wurden, machten 2015 bereits 20 Prozent des Marktes aus. Im Jahr zuvor waren es noch 16 Prozent, zeigt eine Studie von Greenwich Associates.

Die Computerhandelsfirma XTX Markets war 2016 der neuntgrößte Devisenhändler der Welt, berichtet Euromoney. Es ist das erste Mal, dass ein elektronischer Händler im Ranking an einer traditionellen Bank vorbeigezogen ist. Der Marktanteil von XTX von 3,9 Prozent ist besonders bemerkenswert, weil die Londoner Firma erst gut ein Jahr alt und 2015 aus dem Hedgefonds GSA Capital hervorgegangen ist.

Einige Beobachter sagen, dass die Liquidität an den Devisenmärkten auch deshalb leide, weil der Computerhandel den Rückzug der Banken noch nicht ausgeglichen habe. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat im September eine Studie veröffentlicht, die sie alle drei Jahre durchführt. Darin heißt es, dass der globale Devisenhandel erstmals seit 2001 geschrumpft sei. Im April 2013 wurden täglich 5,4 Billionen Dollar an Devisen gehandelt, im April 2016 waren es nur noch 5,1 Billionen Dollar.

"Es hat sich etwas grundlegend geändert bei der Liquiditätsausstattung", sagt Collin Crownover, bei State Street Global Advisors verantwortlich für Devisenmanagement. "Man stößt in einem computergetriebenen Handelsumfeld eher auf diese Luftlöcher."

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/awi

(END) Dow Jones Newswires

October 11, 2016 04:56 ET (08:56 GMT)

© 2016 Dow Jones & Company, Inc.

Weitere Meldungen
Anzahl: , Seite 1 von 0

Implemented and powered by Factset.

Auszeichnungen Spitzenleistungen sind unser Maßstab. Mehr über maxblue