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Fonds-News
ANALYSE/Hedgefonds Elliott manövriert Samsung ins richtige Gleis
06.10.16 / 10:34 (0 mal gelesen)

Von Jacky Wong

SEOUL (Dow Jones)--Bei der südkoreanischen Samsung Electronics überschlagen sich gerade die Ereignisse. Der Konzern jongliert momentan mit einem ganzen Schwung von Problemen, wobei der vorerst letzte Schachzug eines alten Gegners kurioserweise für Rückenwind sorgen dürfte.

Der New Yorker Hedgefonds Elliott von Paul Singer trommelt aktuell für einen radikalen Kurswechsel beim südkoreanischen Vorzeigekonzern. Zu den in einem offenen Brief vorgebrachten Forderungen zählt eine Sonderdividende in Höhe von 27 Milliarden US-Dollar, eine Aufspaltung des Konzerns und eine Notierung an der Nasdaq.

Samsung steht vor Machtübergabe

Der Vorschlag trifft den Smartphone-Hersteller zu einer Zeit, in der er mit massiven Akkuproblemen für sein Flaggschiff Galaxy und einer deswegen ausufernden Rückrufaktion konfrontiert ist. Vize-Chairman Lee Jae-yong, der die Firma seit einem Herzinfarkt seines Vaters leitet, stieg vergangenen Monat ins Board auf, was auf eine Machtübergabe hindeutet.

Singer ist für Samsung alles andere als ein neues Gesicht. Elliott versuchte vergangenes Jahr erfolglos, die Fusion der beiden Firmen Samsung C&T und Cheil Industries zu blockieren. Offenbar diente die Fusion der Lee-Familie dem eigenen Machterhalt bei Samsung Electronics, dem Kronjuwel des für Südkorea typischen Firmenkonglomerats, in der Landessprache auch Chaebol genannt.

Kernproblem der Gründerfamilie ist geringer Anteilsbesitz

Kernproblem der Lees ist, dass ihnen nur noch 4,8 Prozent von Samsung Electronics gehört. Selbst mit diversen Überkreuzbeteiligungen kommt die Gründerfamilie nur auf gerade einmal 18 Prozent. Analysten fürchteten schon, dass die Lees in großem Stil zu Fusionen greifen, um ihre Kontrolle auf Kosten von Minderheitsaktionären zu festigen. Ein solches Vorgehen wäre mit Samsung Electronics direkt relativ schwer zu stemmen, da inzwischen mehr als die Hälfte der Anteile in den Händen von Ausländern liegen, darunter mächtigen institutionellen Anlegern.

Trotzdem gehen Elliotts Vorschläge weitgehend Hand in Hand mit Ankündigungen von Samsung selbst, die allerdings nur sehr schleppend umgesetzt werden. So kauft der Konzern gerade eigene Aktien auf, aber angesichts eines Bargeldschatzes von 58 Milliarden US-Dollar ist sicherlich mehr drin, was begierige Blicke von Auslandsanlegern wie Singer auf sich lenkt. Immerhin könnten die Lees mit einer Sonderdividende die große, irgendwann ohnehin auf sie zukommende Erbschaftssteuer decken.

Konzernumbau ist gerade auch der heimischen Finanzaufsicht geschuldet

Die Aufspaltung in eine Holding und eine Firma für das Tagesgeschäft ist zweifelsohne die Richtung, in die Samsung marschiert. Das liegt nicht einmal so sehr an Elliott, sondern mehr an der südkoreanischen Aufsicht. Sie drängt auf eine Vereinfachung der verschachtelten Aktionärsstruktur. Zuletzt tätigte Samsung Geschäfte, um die Struktur seiner Finanzfirmen zu vereinfachen, was den Weg für eine Holding-Konstruktion ebnet, wie sie auch schon Erzrivale LG schuf.

Den Börsianern winkt allemal ein warmer Geldregen. Eine Entflechtung der äußerst komplexen Konglomeratsstruktur würde den erheblichen Abschlag, zu dem Samsung momentan im Vergleich zur Konkurrenz gehandelt wird, deutlich verringern. Ohne Berücksichtigung der Barmittel notiert die Aktie nur zum 7,5-Fachen der erwarteten Gewinne. Samsung bewegt sich ganz offenbar nur widerwillig zu einer aktionärsfreundlicheren Organisation hin. Ein kleiner Klaps von Elliott könnte diesen Prozess beschleunigen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/smh

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October 06, 2016 04:34 ET (08:34 GMT)

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