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Fonds-News
ANALYSE/Abschwung im Containerverkehr trifft deutsche Schiffsinvestoren hart
14.09.16 / 13:34 (0 mal gelesen)

Von Friedrich Geiger

BERLIN (Dow Jones)--Die insolvente südkoreanische Reederei Hanjin Shipping Co Ltd und ihre Kunden sind nicht die einzigen Opfer der weltweiten Schwäche im Containerfrachtsektor. Der Schaden trifft vor allem deutsche Investoren. Banken und Privatanleger waren über Jahre die Finanziers der Containerschifffahrt. Doch viele Investitionen haben Schiffbruch erlitten.

Finanzinstitute und Privatanleger aus Deutschland besitzen mehr Containerschiff-Kapazitäten als jedes andere Land: Rund 29 Prozent, so der Verband Deutscher Reeder. Viel Geld ist in Fonds von sogenannten Kommanditgesellschaften gebunden. Banken und Vermögensverwalter haben jahrelang Anteile an den geschlossenen Fonds an vermögende Privatanleger wie Ärzte oder Anwälte verkauft.

Hundertausende Deutsche haben unterschrieben und Geld in 1.800 Fonds von Kommanditgesellschaften gepumpt, die sich auf Schifffahrt konzentrieren. Die Mitglieder des Bundesverbands Sachwerte und Investmentvermögen (BSI), einem Verband für deutsche geschlossene Fonds, hatten im vergangenen Jahr mehr als 15 Milliarden Euro in Schifffahrt-Anlagen investiert.

Zahl der Fondsinsolvenzen dürfte steigen

Nun werden diese Investments durch die deutlich rückläufigen Erträge der Containerschiffbranche bestraft. Fast ein Fünftel der 2.200 Schiffe, die den Fonds gehören, sind insolvent, wie das Deutsche Fondsresearch (DF) schätzt.

"Es ist aktuell von einer steigenden Anzahl von Notverkäufen und/oder Insolvenzen auszugehen", vermutet DF-Manager Marcel Wodrich. "Frisches Geld von Banken oder Anlegern ist nicht in Sicht."

Das Debakel der Kommanditgesellschaften hat auch mehrere deutsche Banken getroffen, die die KGs mit Krediten finanzierten. Die HSH Nordbank, einst der weltgrößte Kreditgeber für Schiffe, musste wegen fauler Schiffskredite in diesem Jahr von den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Andere deutsche Banken, einschließlich der Commerzbank, haben die Kreditvergabe für Schiffe gestoppt.

Deutschland war einst eines der großen Schiffbauländer und Hamburg zählte zu den weltweit größten Häfen. Auch nach dem Rückgang der Werftenindustrie blieb die deutsche Erfahrung bei Schiffsfinanzierungen stark, und die Anleger finanzierten Aufträge für Schiffe, die vorrangig in Ostasien gefertigt wurden.

Schiffs-KGs arbeiten wie Mini-Unternehmen. Sie bringen Anlegerkapital von manchmal 100 Millionen Euro zusammen, stocken es mit von Banken geliehenem Geld auf und kaufen so ein oder mehrere Schiffe. Anlegern und Kreditgebern wurde die Rückzahlung durch die Erträge der Schiffe und deren möglichem Verkauf in Aussicht gestellt.

Die Regierung förderte die Investitionen durch Steuererleichterungen, um die Schifffahrtsindustrie zu unterstützen. Investitionen in den Fonds unterliegen nicht der üblichen Abgeltungssteuer für Kapitalerträge von 25 Prozent (plus darauf 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag), sondern einer gewöhnlich weit niedrigeren Rate, die von der Größe des Schiffs abhängig ist.

Fallende Frachtraten haben Umsatzbasis zerstört

Fallende Frachtraten haben jedoch die Umsatzbasis der KGs zerstört. Der Clark Sea Index für Schiffserlöse fiel von seinem Hoch im Mai 2008 mit 47.244 Dollar pro Tag auf nur noch 9.926 im drauffolgenden Jahr. Seitdem ist er nur noch kurzzeitig wieder über 15.000 Dollar hinausgekommen. Im vergangenen Monat lag der Index unter 7.500 Dollar.

Unter den betroffenen privaten Anlegern in Kommanditgesellschaften ist der in Berlin ansässige Jan-Peter Wulf. Ein Finanzberater der Commerzbank-Tochter Comdirect hatte ihm 2007 geraten, 10.000 Euro in einen Fonds der Lloyd Fonds AG zu investieren, einem der größten Akteure im Markt für Schiffs-KGs.

Der Fonds "Schiffsportfolio III" wurde 2007 gegründet, um 194 Millionen Euro in drei Containerschiffe zu investieren. Lloyd Fonds prognostizierte, dass der Fonds zweimal jährlich Auszahlungen machen würde, was bedeutet hätte, dass die Kunden mehr als das Doppelte ihrer Investition bis 2025 erhalten hätten.

Aber der Kurs des Fonds ist um 95 Prozent gefallen und Wulf sagt, dass er seit Jahren keine Auszahlung mehr erhalten hat. "Ich war so frustriert, dass ich die meisten Briefe von Lloyd Fonds weggeworfen habe."

Lloyd-Fonds-Sprecherin Susanne Maack sagt, dass der Fonds von Wulf die Einnahmen verwendet, um die Schulden zu reduzieren und Bargeldbestände angesammelt hat, anstatt die Anteilseigner zu bedienen. Einige andere Schiffsfonds von Lloyd Fonds seien in den vergangenen Jahren insolvent geworden, räumte sie ein.

Die Sprecherin von Comdirect, Ullrike Hamer, erklärte, dass die Bank den Geschäftsbereich, der Wulf den Fonds verkauft hat, aufgegeben hat und keine weiteren geschlossenen Fonds mehr anbietet.

Einige insolvente Fonds haben es geschafft, ihre Anteilseigner durch den Verkauf von Schiffen mit einer bescheidenen Auszahlung zu versorgen. Andere waren jedoch so verschuldet, dass sie von den Fondseigner bereits geleistete Auszahlungen zurückfordern mussten.

Kontakt zum Autor: märkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/sul/smh

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September 14, 2016 07:34 ET (11:34 GMT)

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