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Fonds-News
ANALYSE/Märkte beschwören bei Deutscher Bank Lehman-Gespenst herauf
30.09.16 / 08:58 (0 mal gelesen)

Von James Mackintosh

NEW YORK (Dow Jones)--Vor ziemlich genau acht Jahren brach die Investmentbank Lehman Brothers vor allem wegen massiver Abflüsse von Hedgefonds-Geldern zusammen. Da sich jetzt einige Hedgefonds um ihre Risikopositionen bei der Deutschen Bank sorgen, verblüfft das stark übereinstimmende Muster, das allerdings auch zu einem Teil in die Irre führt.

Zuletzt brachen Deutsche-Bank-Aktien massiv ein, nachdem das "Wall Street Journal" über eine Maximalforderung des US-Justizministeriums in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar für einen Vergleich im Hypothekenskandal berichtet hatte. Allerdings rechnet die Frankfurter Geschäftsbank letztlich mit einer deutlich milderen Strafe. Manche Hedgefonds-Kunden sind derweil wegen der Ereignisse rund um die Deutsche Bank zutiefst besorgt. Sie haben bereits Aktiva abgezogen und von Spitzenmanagern der Bank Erklärungen zur Stabilität des deutschen Branchenprimus verlangt, so Insider.

Bei Geschäften mit Deutscher Bank drohen haushohe Verluste

Hedgefonds sind derzeit mit dem gleichen Dilemma wie alle ganz gewöhnlichen Bankkunden konfrontiert. Der Nutzen vom einem Festhalten an der Deutschen Bank ist relativ gering, während sich momentan potenzielle Verluste haushoch auftürmen. "Jeder ist hypersensibel. Lehman hat dem Markt eine Lektion erteilt, dass es wenig einbringt, sehr riskante Positionen aufrechtzuerhalten", unkt ein Hedgefondsmanager der schon vom Lehman-Kollaps auf dem falschen Fuß erwischt wurde.

Lehman war fast lehrbuchhaft gescheitert - wie bei allen Bankenkrisen üblich. Der Finanzkonzern hatte kein Bargeld und keine liquiden Aktiva mehr, die er umgehend hätte verkaufen können, um Kunden und Drittparteien zufriedenzustellen, die von ihm in Scharen davonliefen.

Lehman-Szenario droht theoretisch jeder Bank

Im Prinzip könnte das jeder Bank passieren, da sie allesamt niemals ausreichend liquide Aktiva besitzen, um jedem Investor sofort sein Geld auszuzahlen. Doch die Deutsche Bank steht jetzt besonders im Brennpunkt der kritischen Anlegerblicke, vor allem wegen des dieses Jahr schon um mehr als die Hälfte kollabierten Aktienkurses.

Es klaffen aber auch gravierende Unterschiede zu Lehman auf. Die US-Investmentbank hatte sich zur Finanzierung ganz erheblich auf den Repo-Markt und Hedgefonds gestützt. Innerhalb weniger Tage waren dann milliardenhohe Dollarbeträge in bar und aus dem sogenannten Prime-Brokergeschäft abgeflossen. Zugleich konnten Repogeschäfte nicht erneuert werden, während Banken und andere Drittparteien zusätzliche Sicherheiten verlangten, um damit den Handel mit Derivaten zu hinterlegen.

Deutsche Bank gleicht nicht Lehman Brothers

Ganz klar: Die Deutsche Bank ist anders. Sie verfügt über eine bei weitem stärker diversifizierte Kundenbasis, die sich auf das deutsche Filialsystem genauso stützt wie auf mehrere institutionelle Geschäftsfelder. Zugleich ist ihre Liquidität deutlich höher. Sie summierte sich Ende Juni auf 220 Milliarden Euro auf, was 12 Prozent der Aktiva ausmachte. Bei Lehman waren es einen Monat vor dem tiefen Fall nur 45 Milliarden Dollar, was gerade einmal 7,5 Prozent der Aktiva entsprach.

Zweifelsohne steckt die Deutsche Bank in einer schwachen Kapitalposition fest, die durch die mauen Gewinne noch verschärft wird. Aber ihre Probleme sind längst nicht so schlimm wie die von Lehman, wo sich die Verluste in jedem der zweiten Quartale vor dem Konkurs auf mehr als ein Zehntel des Eigenkapitals auftürmten.

Deutsche Bank verfügt über Zugang zu EZB-Geldern

Noch wichtiger: Die Deutsche Bank hat direkten Zugang zur Europäischen Zentralbank (EZB) als praktisch ihre hauseigene Pfandleihe. Sie kann also selbst ziemlich schwer veräußerliche Aktiva recht gut versilbern. Lehman dagegen verweigerte die US-Notenbank Fed zusätzliche Kredite, da die Investmentbank offenbar nicht mehr über ausreichende Sicherheiten verfügte.

Die Deutsche Bank ist alles andere als immun gegen massive Probleme. Keine Liquiditätsmenge kann ausreichen, wenn Klienten oder Einlagenkunden ihr Vertrauen verlieren, da niemals alle Aktiva einfach so bei der EZB in Bargeld umgetauscht werden können. CEO John Cryan steht deswegen jetzt vor der Herkulesaufgabe, das Kundenvertrauen zurückzugewinnen - und zwar schnell.

Großkunden können mit persönlichen Anrufen von Cryan rechnen

Zunächst einmal wird Cryan dazu zum gleichen Mittel greifen wie einst Lehman-Chef Richard Fuld. Er wird große Klienten persönlich anrufen. Kurioserweise würde das Vertrauen vor allem durch die Ausgabe neuer Aktien befeuert, wenn die Stärke der Bank auf Kosten aktueller Aktionäre wieder aufgebaut wird.

Die Deutsche Bank sträubt sich noch vehement gegen einen solchen Schritt. Eine Lektion aus dem Lehman-Debakel ist, dass die Bank zu stolz war, Notgelder anzunehmen, da sie die Kosten für zu hoch hielt. In dieser Hinsicht sollte die Deutsche Bank nicht in die gleiche Fall tappen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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September 30, 2016 02:58 ET (06:58 GMT)

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