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Fonds-News
ANALYSE/Eon steht wegen Uniper-Abspaltung weiter in der Kritik
10.10.16 / 09:57 (0 mal gelesen)

Von Eyk Henning und Giles Turner

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Energieversorger Eon gerät wegen seiner Abspaltungsstrategie zunehmend in die Kritik. Investoren hinterfragen inzwischen, warum der Konzernumbau bei Eon nicht ähnlich erfolgreich verläuft wie der von RWE. Der Eon-Rivale hat Ende vergangener Woche bei großer Anlegernachfrage Innogy, seine Sparte für alternative Energien, an die Börse gebracht.

"RWEs Schritt, die erneuerbaren Energien abzuspalten, war der schlauere Schachzug", ärgert sich Portfoliomanager Thomas Deser von Union Investment, die 0,5 Prozent an Eon hält. Sowohl Eon als auch RWE verfolgen als Antwort auf die Energiewende der Bundesregierung radikale Umbaustrategien. Der Politikschwenk in Berlin mit dem Aus für die Atomkraft bürdete den Versorgern milliardenschwere Verluste und Haftungen für ihre Nuklearkraftwerke auf.

RWE gelang klarer Schlussstrich

Zuletzt gliederte RWE 25 Prozent seiner erneuerbaren Energien und Netze als Innogy durch einen Börsengang aus. Das entpuppte sich für die neue Sparte als klarer Schlussstrich für die angeschlagene herkömmliche Stromerzeugung und spülte rund 5 Milliarden Euro in die Konzernkasse. Eon wählte im September den entgegengesetzten Schritt und brachte mehr als 50 Prozent seines traditionellen Kohle- und Gasgeschäfts als Uniper an die Börse.

Deser und viele Analysten halten nunmehr das Vorgehen von RWE für die klügere Strategie. Die Einnahmen aus dem Innogy-IPO stellten sicher, dass RWE finanziell gut dastehe und künftige Kosten stemmen könne, meint Deser. So würden die Erlöse RWE dabei helfen, Kosten aus dem Rückbau von Kernkraftwerken und der Lagerung von atomaren Abfällen zu tragen.

Uniper-Abspaltung brachte Eon keinen müden Cent

Mit der abgespaltenen Sparte Uniper erlöste Eon keinen müden Cent, da der Versorger die Papiere an die eigenen Aktionäre verteilte. Eon konzentriert sich jetzt auf erneuerbare Energien, bleibt aber auch im gebeutelten Atomgeschäft vertreten. Das bedeutet, dass sich sowohl Eon als auch Uniper mit problematischen Aktivitäten herumschlagen müssen.

Auch Eon-Großinvestor Knight Vinke ist enttäuscht. Dessen Gründer Eric Knight sagte dem Wall Street Journal, dass sein Fonds bereits im August eine Alternative präsentiert habe. Dadurch hätten Eon und Uniper rund 2 Milliarden Euro mehr frisches Kapital zur Verfügung gehabt. Nach eigenen Angaben wäre Knight Vinke bereit gewesen, rund 600 Millionen Euro in Eon hineinzuschießen und die immer noch 47 Prozent, die Eon noch an Uniper hält, zu erwerben. Dabei wäre Uniper mit rund 3 Milliarden Euro bewertet worden.

Eon dürfte Kapitalbedarf haben

Laut Insidern rief der Plan von Knight Vinke auch das Interesse potenzieller Mit-Investoren hervor, darunter das von Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Doch Eon gab Knight Vinke einen Korb. Der Konzern sorgte sich um hohe Forderungen des Fiskus' und dass Uniper unterbewertet wird, so Insider. "Es gibt aber weitere Unsicherheiten bei Eon, da sie für ihre Nuklearkosten zusätzliches Kapital einsammeln muss und das bei einem stark gedrückten Aktienkurs. Alternativ könnte sie einige Aktiva versilbern, aber auch nicht zu viele, da das die Attraktivität der eigenen Aktien beeinträchtigen würde", erläutert Deser.

Analysten teilen diese Bedenken. Selbst bei einer 2,4 Milliarden Euro großen Kapitalerhöhung zur Deckung der erwarteten Kosten aus Atomaltlasten würden die Sorgen über Eons Kapitalstärke bestehen bleiben, meint Barclays Capital. Zugleich drängt Knight Vinke das Management immer noch zu anderen Maßnahmen, etwa dem Verkauf seiner Netze, wie Insider berichten.

Mitarbeit: Monica Houston-Waesch

Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/smh

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October 10, 2016 03:57 ET (07:57 GMT)

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