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ANALYSE/Pimco sucht eine Strategie nach Bill Gross
08.11.16 / 12:23 (0 mal gelesen)

Von Justin Baer

NEW YORK (Dow Jones)--In der Zentrale von Pacific Investment Management Co (Pimco) im kalifornischen Newport Beach machen sich die Mitarbeiter ernste Sorgen. Sie fragen sich, in welche Richtung der Vermögensverwalter gehen wird, nachdem der abrupte Abschied des Starinvestors und Firmengründers Bill Gross einen stetigen Mittelabfluss ausgelöst hat. Der neue Vorstandsvorsitzende Emmanuel Roman hat einen Plan: Das Vertrauen Pimcos in die traditionelle Rentenwelt zu lockern.

Der 53jährige Franzose, der in der letzten Woche den Posten an der Spitze von Pimco angetreten hat, will Pimco tiefer in die Welt der Hedgefonds, Immobilienanlagen und anderen alternativen Investitionen führen. Dies sagen jedenfalls Personen, die mit den Umständen vertraut sind. Angesichts von Zinsssätzen, die im Großteil der entwickelten Welt nahe Null liegen, sind diese Art von Investitionen bei Rentenversicherungen, Stiftungen und anderen Kunden gefragt. Sie sind zudem diejenigen Fondanlagen, die es Pimco erlauben, höhere Gebühren zu verlangen.

Investitionen in Anleihen, Kreditverbriefungen und andere Formen von Schuldverschreibungen werden natürlich bei Pimco im Fokus bleiben. Doch laut den Insidern will Roman die Möglichkeit ausbauen, in Bereiche von Privatkrediten bis hin zu quantitativen Investitionen auf Grundlage von Computermodellen ausbauen.

"Brutale" Gesundschrumpfung erwartet

Pimco, eine Tochtergesellschaft des deutschen Versicherers Allianz, glaubt, dass die allmähliche Umstellung auf alternative Investitionsformen der beste Weg ist, um mit den veränderten Bedingungen in der Welt der Vermögensverwalter umzugehen. Viele Industrieexperten rechnen mit einer brutalen Gesundschrumpfung der Branche. Schwache Ergebnisse und die wachsende Popularität von billigeren Investitionsoptionen, wie sie etwa börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds oder ETFs) darstellen, haben die meisten Vermögensverwalter bereits dazu gezwungen, die Gebühren zu senken.

Alternative Anlagen könnten der Ausweg sein. "Sie sind ein Element, das defensiv ist", so Ju-Hon Kwek, ein Partner der Beratungsgesellschaft McKinsey. "In gewisser Weise sind sie nicht ETF-fähig", können also nicht einfach mit standardisierten und damit handelbaren Produkten nachgebildet werden. Mit dem Fokus auf alternative Anlagen hofft die Industrie, den großen Bedrohungen für das eigene Gebührenmodell zu entgehen.

Alternative Anlagen würden Pimco dabei noch weiter entfernen von der Strategie ihres Gründers Bill Gross, der zunächst nur auf traditionelle Anlagen setzte: "Bond and Burgers" war das Motto, das die Investorengemeinschaft für diese Anlagestrategie prägte. Pimco muss bei der geplanten Diversifikation aber sehr sorgfältig vorgehen. Ansonsten riskiert der Vermögensverwalter, seine zahlreichen traditionellen Investoren mit der Vorliebe für einfache Anlageprodukte zu entfremden, so Eric Jacobson, ein Analyst von Mornigstar.

"Die größte Sache in den Köpfen der Kunden ist die Mischung der Alternativen mit eher konventionellen festverzinslichen Strategien. Um sich weiterhin wohl zu fühlen, muss klar sein, dass Pimco nicht einfach nur Strategien verfolgt, die höhere Rendite versprechen", so Jacobson. "Das ist der große Elefant in dem Porzellanzimmer, in das Manny gerade eintritt". Manny ist in der Branche der Spitzname von Emmanuel Roman.

Pimco leidet noch unter dem Ausstieg von Gross

Roman beginnt seine neue Aufgabe in einem Moment, in dem Pimco noch immer versucht, die bittere Fehde mit seinem Mitgründer Gross beizulegen. Gross hat Pimco im September 2014 plötzlich verlassen, um zur Janus Capital Group zu wechseln. Nach seinem Abgang verklagte Gross seinen früheren Arbeitgeber wegen seines Ausstiegs sogar noch.

Gross' Abgang zog einen Exodus von Kundengeldern aus dem Vorzeige-Fonds Total Return Fund nach sich. Die verwalteten Gelder in diesem größten Anlagefonds der Welt sind mittlerweile um 84 Milliarden US-Dollar gesunken, nachdem sie 2013 einen Höchststand von 293 Milliarden Dollar erreicht hatten. Pimco verwaltet aktuell insgesamt Vermögensanlagen im Gesamtwert von 1,55 Billionen Dollar. Zu Bestzeiten waren es noch zwei Billionen Dollar gewesen. Alternative Anlagen spielen bislang eine untergeordnete Rolle: Derzeit sind nur etwa rund 26 Milliarden Dollar von dieser Summe in alternativen Investments angelegt.

Mitarbeiter bei Pimco verunsichert

Die Mitarbeiter fragen sich derweil noch immer, ob das Management einen Plan hat, um weitere Abflüsse abzuwehren und der ständigen Bedrohung der Fonds durch niedrige Gebühren etwas entgegenzusetzen. Eine Umfrage von McKinsey von Ende letzten Jahres, die von Pimco selbst in Auftrag gegeben wurde, hat gezeigt, dass viele Mitarbeiter, insbesondere jene unterhalb der obersten Leitungsebene, ernste Bedenken über die Unternehmenskultur und -strategie haben.

Die Führungskräfte sind stolz auf die anspruchsvolle, auf Wettbewerb ausgerichtete Kultur des Unternehmens und argumentieren, dass das Unternehmen wegen dieser Kultur so erfolgreich sei. "Wir sind ein Team, aber keine Familie", sagte jüngst ein Manager von Pimco und verwendete damit einen Spruch, der durch den Netflix-Vorstand Reed Hastings bekannt geworden ist.

Pimco reagierte mit einer Reihe von Initiativen, um den Bedenken zu begegnen. Neue Mitarbeiter wurden in wichtige Unternehmensausschüsse aufgenommen, die Mitarbeiter erhalten ein regelmäßiges und verbessertes Feedback. Das Unternehmen verpflichtete zudem Führungskräfte dazu, an Management-Seminaren teilzunehmen, so ein Insider.

Roman als Hoffnungsträger

Viele Mitarbeiter hoffen, dass die Ankunft von Roman ein potentieller Katalysator sein kann, der das Unternehmen aus der Nach-Gross-Krise herausführen kann. Denn Roman ist eine Abkehr vom bisherigen Muster der Pimco-Manager. Im Gegensatz zu Bill Gross und dem früheren Vorstandschef Mohamed El-Erian ist er nicht selbst ein Star-Investor. Und im Gegensatz zu Dough Hodge, der für Roman den Sitz des Vorstandsvorsitzenden freimachte, kommt er von außerhalb des Unternehmens.

Roman arbeitete 18 Jahre für Goldman Sachs, bevor er zum den Hedgefonds GLG Partners wechselte. Er leitete den Verkauf von GLG an die Man Group, den britischen Anbieter alternativer Investmentprodukte. Roman blieb an der Spitze von Man Group, bis Pimco ihn abwarb.

Roman hat versprochen, sich aus Investitionsentscheidungen zurückzuhalten, obwohl er über Erfahrungen in den komplexen Märkten verfügt, auf die sich Pimco jetzt einlässt. Diese Erfahrung aus seiner langen Arbeit bei Goldman Sachs verleihen ihm aber Glaubwürdigkeit im Umgang mit denjenigen, die bei Pimco täglich im Feuer des Handelsgeschäftes stehen. "Er ist einer der wenigen Vorstandsvorsitzenden, die einem Händler Paroli bieten können", so Jamil Baz. Baz arbeitete für Roman bei GLG und Man, ehe er zu Pimco zurückkam.

Roman bringt Erfahrungen mit

Es ist nicht das erste Mal, dass Roman den Auftrag erhalten hat, eine Vermögensverwaltung nach dem Abschied einer Schlüsselperson wiederzubeleben. Bei GLG Partners in London musste er das Unternehmen nach dem Ausstieg des Top-Händlers Greg Coffrey stabilisieren, dessen Abgang zu einer Flut von Mittelabflüssen führte.

Roman reagierte, indem er neue Mitarbeiter einstellte und damit die Moral innerhalb der Truppe verbesserte, so ein Insider. Als sich der Moment näherte, zu dem GLG seine Kreditverpflichtungen gegenüber der Citigroup erfüllen musste, kaufte Roman den britischen Management-Arm der französischen Bank Société Générale. Dies gab GLG genug Vermögenswerte, um die Finanzen des Unternehmens zu stabilisieren. Im Jahre 2010 verkauften Roman und sein Vize-Vorstand Noam Gottelsman dann GLG für 1,6 Milliarden Dollar an die Man Group.

"Er war nachdenklich und ehrgeizig", so Martin E. Franklin, einer der Geldgeber und Investoren von GLG, der zeitweise auch im Aufsichtsrat des Unternehmens saß. "Ich denke nicht, dass er dabei taktiert hat." Ein ehrlicher Umgang wird auch bei den Mitarbeitern von Pimco gut ankommen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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November 08, 2016 06:23 ET (11:23 GMT)

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