ESG: Energietransformation als essenzieller Wirtschaftsfaktor

  • ESG gewinnt in der Wirtschaft und damit auch im Portfolio immer mehr an Relevanz
  • Das ESG-Konzept ist nicht starr, sondern gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen unterworfen
  • Die Energietransformation schafft neue langfristige Investitionsmöglichkeiten für Anleger

ESG - Windräder und Solarzellen bei Sonnenaufgang

ESG ist ein ganzheitliches Konzept mit dem wesentlichen Ziel, die Art und Weise, wie wir leben und wirtschaften, zu verändern. Ein fundamentaler Wandel erscheint notwendig, denn praktisch alle Experten sind sich einig, dass die Menschheit vor der dreifachen planetarischen Krise steht. Diese Herausforderung, bestehend aus Klimawandel1, Verschmutzung und Biodiversitätsverlust, ist Ausdruck eines strukturellen Marktversagens, das im Kern darin begründet liegt, dass wir den systematischen Wert der Natur nicht in unser ökonomisches Paradigma integriert haben. Daher bedarf die Bewältigung dieser Herausforderung eines ganzheitlichen Ansatzes, der alle relevanten Aspekte der Transformation unseres ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens berücksichtigt. Diese relevanten Aspekte gehen weit über die Dimension des Klimawandels hinaus und berücksichtigen notwendigerweise auch soziale Fragen sowie Fragen der Unternehmensführung. Nichtsdestotrotz bleibt die Energietransformation ein wesentlicher Bestandteil des Maßnahmenplans zur Bewältigung der dreifachen planetarischen Krise. Schätzungen zufolge ist die Energiegewinnung für etwa drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen (THG) verantwortlich.2

Die Bedeutung und Dringlichkeit der energetischen Transformation für das Klima wurde zuletzt im November auf der Weltklimakonferenz 2022 (COP27) unter Berücksichtigung der relevanten wissenschaftlichen Positionen noch einmal unterstrichen.3 Mittlerweile gibt es weltweit intensive Bestrebungen, die Energietransformation umzusetzen. Dazu zählt unter anderem der Inflation Reduction Act (IRA), das wohl wichtigste Klimaschutzgesetz in der Geschichte der USA. Darüber sollen insgesamt 369 Milliarden US-Dollar für die Förderung sauberer Energietechnologien und mehr Umweltgerechtigkeit auf kommunaler Ebene bereitgestellt werden.4,5 In der Europäischen Union (EU) wird die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien in verschiedenen Wirtschaftssektoren als entscheidender Baustein zur Erreichung der EU-Energie- und Klimaziele betrachtet. Diese sehen bis zum Jahr 2030 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 vor sowie die Erreichung einer europäischen Klimaneutralität bis 2050.6

Grafik: Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung

Weiter an Dynamik gewonnen haben die Diskussionen über die Energietransformation und das Thema Energieresilienz zuletzt durch den Russland-Ukraine-Krieg. Dabei wurde zum wiederholten Male deutlich, dass die Energieprobleme nicht allein mit dem massenweisen Bau von beispielsweise Wind- und Solaranlagen zu bewältigen sind. Vielmehr handelt es sich um eine globale Herausforderung, bei der vor allem auch die Vorstellungen und Ziele von Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die damit verbundenen sozialen und regulatorischen Fragen berücksichtigt werden müssen.7

Das Gelingen der globalen Energietransformation ist wesentlich davon abhängig, ob sie gerecht gestaltet werden kann – diese Einsicht dürfte auch die weitere Entwicklung des ESG-Konzepts entscheidend beeinflussen.

Das Gelingen der globalen Energietransformation ist daher wesentlich davon abhängig, ob sie gerecht gestaltet werden kann – diese Einsicht dürfte auch für die weitere Entwicklung des ESG-Konzepts entscheidend sein, da es alle Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte der Energietransformation berücksichtigt.

Redaktionsschluss: 15.12.2022


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1 UN: https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/10/climate-change-greatest-threat-world-has-ever-faced-un-expert-warns
2 IEA: https://www.iea.org/data-and-statistics/data-tools/greenhouse-gas-emissions-from-energy-data-explorer
3 COP27 Press Release: https://reliefweb.int/report/world/cop27-science-day-reiterates-importance-data-and-evidence-delivering-implementation
4 https://www.forbes.com/sites/energyinnovation/2022/08/23/inflation-reduction-act-benefits-clean-energy-tax-credits-could-double-deployment/?sh=3b8a5ed56727
5 https://www.whitehouse.gov/briefing-room/statements-releases/2022/08/15/by-the-numbers-the-inflation-reduction-act/
6 https://energy.ec.europa.eu/topics/renewable-energy/renewable-energy-directive-targets-and-rules/renewable-energy-targets_en
7 IEA: https://www.iea.org/reports/financing-clean-energy-transitions-in-emerging-and-developing-economies/setting-the-scene

ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT: Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem gibt es aktuell neue Regulierungen zum Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft), die noch konkretisiert werden müssen, sowie noch nicht finalisierte Regulierungsvorhaben, die dazu führen können, dass gegenwärtig als nachhaltig klassifizierte Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig nicht erfüllen.