Rohstoffe: Konjunkturerholung im Fokus

Bei den Notierungen für Industriemetalle dürften 2022 moderate Steigerungen möglich sein und die Schwankungen abnehmen. Am Ölmarkt sind stärkere Preisanstiege eher nicht zu erwarten und der Goldpreis könnte durch steigende Realrenditen unter Druck geraten.

Die wichtigsten Fakten:

  • Industriemetalle wie Kupfer mit weiterem Preispotenzial
  • Ölpreisentwicklung unter anderem abhängig vom Pandemiegeschehen
  • Weniger expansive Geldpolitik als Belastungsfaktor für Gold
Rohstoffe: Konjunkturerholung im Fokus

Die Preise für Energierohstoffe, insbesondere Erdgas, sind im Herbst 2021 weltweit zeitweise stark gestiegen. Grund für die Preisexplosion war vor allem die globale Konjunkturerholung. In Europa kamen stockende Erdgaslieferungen aus Russland hinzu. Die Auswirkungen der Erdgasknappheit könnten im Verlauf des Winters auch die Rohölnachfrage weiter nach oben treiben. Die OPEC+-Länder dürften ihre Fördermenge jedoch auch weiterhin nur schrittweise erhöhen.

Damit scheint die Möglichkeit einer sprunghaften Ausweitung des Rohölangebots begrenzt. Dass auf absehbare Zeit trotzdem kein wesentlicher Anstieg der Ölpreise zu erwarten ist, liegt darin begründet, dass einige Länder ihre strategischen Reserven einsetzen dürften, um ebendies zu verhindern – steigende Ölpreise wirken sich bei Verbrauchern wie Steuererhöhungen aus.

Im Jahr 2022 dürfte die Entwicklung an den Rohölmärkten vom Verlauf der globalen Nachfrageerholung sowie von den Reaktionen der Volkswirtschaften auf möglicherweise wieder steigende Infektionszahlen durch neue Coronavirus-Varianten abhängen. Während die OPEC+-Staaten ihre Ölförderung im Jahresverlauf sukzessive ausweiten könnten, dürften die großen Produzenten in den USA ihre selbst auferlegten Produktionsbeschränkungen beibehalten, um so zu verhindern, dass die weltweiten Ölvorräte deutlich ansteigen. Abwärtsrisiken für den Ölpreis durch eine mögliche Rückkehr iranischer Lieferungen erscheinen derzeit gering. Die Deutsche Bank rechnet für Ende 2022 mit einem Preis von 70 US-Dollar für ein Fass (159 Liter) der Sorte WTI.

Auf absehbare Zeit kein wesentlicher Ölpreisanstieg zu erwarten.


Gold könnte 2022 an Attraktivität für Anleger verlieren

Mit dem Beschluss zur Drosselung ihrer Anleihekäufe („Tapering“) hat die US-Notenbank Fed angefangen, ihre ultralockere Geldpolitik zurückzufahren. Dadurch dürften die Kapitalmarktzinsen und damit auch die Realrenditen im Jahresverlauf 2022 ansteigen. Obwohl Letztere trotzdem weiter im negativen Bereich rangieren könnten, erhöhen sich dadurch die Opportunitätskosten (diese beschreiben den entgangenen Nutzen der besten nicht gewählten Anlagealternative) einer zinslosen Anlage in Gold – was zu einer Verringerung der Goldpositionen in Anlageportfolios führen könnte. Die Deutsche Bank erwartet den Goldpreis zum Jahresende bei 1.750 US-Dollar pro Feinunze (31 Gramm).


Moderates Preispotenzial bei Kupfer und Co

Bei Industriemetallen sollten Angebot und Nachfrage 2022 in einem besseren Gleichgewicht stehen als 2021. Das spricht für eine Abnahme der Preisschwankungen und ein moderates Aufwärtspotenzial. Für den Kupferpreis dürfte die Stromknappheit in China kurzfristig weiterhin eine wichtige Rolle spielen: Staatliche Eingriffe in den Energiemarkt, die sich belastend auf die Kupferproduktion auswirken, könnten dazu führen, dass er sich kurzfristig seitwärts bewegt. Auf der anderen Seite bleibt die Kupfernachfrage durch staatliche Anreize zur Dekarbonisierung sowie steigende Infrastruktur- und Produktionsaktivitäten hoch. Begrenzen könnte das Preispotenzial von Kupfer vor allem eine geringere Bautätigkeit in China. Die Notierungen von Palladium und Platin leiden zumindest kurzfristig weiter unter dem Chipmangel, der für Produktionsunterbrechungen in der Automobilindustrie verantwortlich ist. Beide Metalle werden dort zur Herstellung von Katalysatoren benötigt.

Redaktionsschluss: 10.12.2021, 18 Uhr

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