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„Dogs of the Dow“: Dividendenstrategie mit Biss

  • „Dogs of the Dow“ ist eine regelbasierte Dividendenstrategie
  • Über lange Anlagezeiträume war sie bislang durchaus erfolgreich
  • Der DivDAX basiert auf einer ähnlichen Titelauswahl

Wie wichtig es an den Börsen ist, seine Gefühle zur richtigen Zeit unter Kontrolle zu halten, weiß jeder Anleger, der schon einmal aus Angst oder Euphorie die falsche Investmententscheidung getroffen hat. Es bleibt die Frage, wann die „richtige Zeit“ ist und wie man sie erkennt. Verlässliche Antworten darauf gibt es nicht – weshalb Anlagestrategien, die auf feste Regeln statt auf Gefühle setzen, bei vielen Anlegern hoch im Kurs stehen. Natürlich garantieren auch diese mechanischen Strategien keinen Anlageerfolg. Sie können jedoch Orientierung bieten – und einige von ihnen haben in der Vergangenheit durchaus ihre Wirksamkeit bewiesen. Was aber selbstverständlich kein Indikator für künftige Entwicklungen ist.

„Dogs of the Dow“: Dividenden bevorzugt

Eine interessante mechanische Anlagestrategie, die auf der Betrachtung der Dividendenrenditen von Aktien basiert, ist die sogenannte Dogs of the Dow. Entwickelt bereits in den 1930er-Jahren vom legendären Value-Investor Benjamin Graham, wurde sie populär erst knapp 60 Jahre später durch das Buch „Beating the Dow“ von Michael O’Higgins. Der US-amerikanische Fondsmanager hatte berechnet, dass sich eine bestimmte Zusammenstellung dividendenstarker Aktien aus dem US-Leitindex Dow Jones Industrial Average in der Vergangenheit besonders gut entwickelt hatte. Es waren die zehn Aktien des insgesamt 30 Substanzwerte umfassenden Index, die am Anfang eines jeden Jahres die höchste Dividendenrendite auswiesen.

Auch für Privatanleger umsetzbar

Was simpel klingt, ist auch für Privatanleger möglich: Die Schlusskurse der einzelnen Unternehmen werden jeweils zum 31. Dezember eines Jahres mit den für das kommende Jahr erwarteten Dividendenzahlungen verglichen. Die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite werden gekauft beziehungsweise im Depot gehalten, alle anderen Werte verkauft. Diese Prozedur wiederholt sich Jahr für Jahr – völlig unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen.

Auf die Verlierer der Vergangenheit setzen

Hintergrund dieser Strategie ist, dass die Werte mit der höchsten Dividendenrendite mit Blick auf den Kurs häufig die Verlierer des Vorjahres sind – die „Dogs“, im Englischen die umgangssprachliche Bezeichnung für ein wenig erfolgreiches Produkt. Denn oft zieht die Dividendenrendite einer Aktie an, weil der Kurs gesunken ist – und nicht, weil die Dividende gestiegen ist. O’Higgins hatte beobachtet, dass sich gerade die Kurse dieser Verlierer im darauffolgenden Jahr durchschnittlich besser entwickelten als die der anderen 20 Papiere im Dow Jones.

Disziplin gefragt, um Fehler zu vermeiden

Voraussetzung für den Erfolg von „Dogs of the Dow“ ist, wie bei allen anderen regelbasierten Strategien auch, dass sich der Anleger strikt an die Vorgaben hält, und das über einen längeren Zeitraum – im Falle von „Dogs of the Dow“ zehn Jahre und länger. Auch wenn das vielen Anlegern schwer fallen dürfte, kann es dabei helfen, einen häufigen Fehler von Investoren zu vermeiden: erst dann eine Aktie zu kaufen, wenn der Kurs bereits deutlich gestiegen ist. Zudem werden Anleger gezwungen, auch in Zeiten fallender Kurse nicht panikartig Aktien zu kaufen oder zu verkaufen.

Nicht jede Dividendenstrategie geht auf

Aufgrund der Popularität der „Dogs-of-the-Dow“-Strategie entwickelten sich eine ganze Reihe weiterer Methoden, die auf O’Higgins Überlegungen basieren – mit unterschiedlichem Erfolg. O’Higgins eigene Low-5-Strategie – bei der von den zehn dividendenstärksten Titeln nur die fünf berücksichtigt werden, die den niedrigsten Kurswert aufweisen – brachte in der Vergangenheit nicht immer den erhofften Mehrertrag gegenüber seiner Ursprungsidee und birgt zudem größere Risiken. Die Foolish-Four-Strategie, die in den 1990er-Jahren vom Finanzdienstleister Motley Fool insbesondere in den USA stark promotet wurde, stellte sich bereits 1999 sogar als quasi nutzlos heraus. Mit ihr wurde versucht, die Low-5-Strategie weiter zu verfeinern. Dazu wurde von den fünf Aktien der Wert mit dem niedrigsten Verhältnis von Dividendenrendite zur Quadratwurzel des Aktienpreises zusätzlich aus dem Portfolio gestrichen.

Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass die klassische „Dogs-of-the-Dow“-Strategie in der Vergangenheit über längere Zeiträume betrachtet den Dow Jones regelmäßig outperformen konnte – auch wenn das natürlich keine Rückschlüsse für die zukünftige Entwicklung zulässt. So gab es immer wieder auch Zeiten, in denen die Strategie deutlich hinter dem breiten Index zurückblieb, etwa in den Krisenjahren von 2007 bis 2009. Hier machten sich die Schwächen der Strategie bemerkbar, die rein auf die Höhe der Dividendenrendite setzt und fundamentale Bewertungskriterien von Unternehmen sowie die Dividendenkontinuität unberücksichtigt lässt.

Warum nicht „Dogs of the DAX“?

Anleger mit Interesse an einem entsprechend langfristigen, regelbasierten Investment und entsprechender Risikobereitschaft können übrigens auch in Deutschland tätig werden: Ähnlich wie der Dow Jones in den USA besteht auch der DAX aus 30 Substanzwerten und kann sich für eine „Dogs-of-the-DAX“-Strategie durchaus anbieten. Das hat auch die Deutsche Börse erkannt und bereits 2003 den DivDAX ins Leben gerufen: Er bildet die 15 dividendenstärksten Titel im DAX ab und wird einmal jährlich im September neu zusammengesetzt. Seit dem 31. März 2004 bis zum 31. März 2017 hat der DivDAX damit ein Plus von 239,74 Prozent erzielt. Der DAX brachte es im selben Zeitraum auf 219,26 Prozent.

DivDax vs DAX

Dividendentitel langfristig im Vorteil