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Trends & Themen

Sharing Economy – das neue Geben und Nehmen

Hinweis:
Die Investmenttrends werden von der Deutsche Bank AG, bzw. der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG oder ihrer jeweiligen Lizenzgeber recherchiert. Die dargestellten Trendthemen können sich jederzeit ändern. Mit den maxblue Investmenttrends erhalten Sie einen Überblick über aktuelle Investmentthemen. Dabei wählt maxblue aus einer Liste von insgesamt 14 Investmentrends die 12 Investmentrends aus, die besonders aktuell sind und gibt Ihnen Inspiration und Wissen zur Unterstützung Ihrer selbständigen Anlageentscheidung. - Werbemitteilung -

Essen, Kleidung oder Autos: Teilen liegt im Trend

Die Erfolgsgeschichte der Sharing Economy [sharing (engl.) = teilen] scheint hergebrachte Wirtschaftsgesetze außer Kraft zu setzen: Statt „Besitzen“ und „Kaufen“ heißt es hier „Teilen“ und „Nutzen“. Die neuen Anbieter entwickeln keine eigenen Produkte oder Dienstleistungen, sondern leben von der intelligenten und zunehmend digitalen Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage.

In vielen Bereichen der Sharing Economy haben Start-ups das Potenzial einer schöpferischen Zerstörung.

Die Expertenmeinung unseres Chef-Anlagestrategen

Insbesondere der Hotelsektor und der Personennahverkehr sind global einem starken Wandel unterzogen. Gleichzeitig zeichneten sich die erfolgreichen Sharing Economy Unternehmen in der Vergangenheit durch fast schon exponentielles Wachstum aus.

Neue Technologien verleihen etablierten Angeboten eine ganz neue Dynamik

Die Sharing Economy hat bereits mit diversen Verkaufsportalen im Internet begonnen, deren Unternehmenswerte in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind.

Aber auch in anderen Branchen, wie zum Beispiel bei der Arbeitsvermittlung und im Finanzsektor, schicken sich Vertreter der Sharing Economy an, vorhandene Strukturen aufzubrechen und mit mehr Effizienz alteingesessene Unternehmen zu verdrängen.

Im Grunde genommen ist die Sharing Economy nichts Neues. Bibliotheken gibt es schon lange und auch Autovermietungen und Bed & Breakfasts sind kein neues Konzept. Neu ist jedoch die weite Verbreitung des Internets, von Smartphones und von sozialen Netzwerken, die die Verbindung zwischen Anbietern und Konsumenten erleichtert und deswegen beide in größerer Zahl anzieht.

Die Thesen von Dr. Ulrich Stephan

  1. Die am stärksten betroffenen Sektoren könnten Transport, Finanzwesen, Reisen und Dienstleistungen sein. In vielen dieser Bereiche haben etablierte Firmen bereits begonnen mit den neuen Sharing Economy Start-ups zu kooperieren.

  2. Stärker als in anderen Bereichen wird man Regulierungen beobachten müssen. In Bereichen und Ländern, in denen etablierte Interessensgruppen genug politischen Druck ausüben können, könnte es passieren, dass die Sharing Economy daran gehindert wird, ihre Kraft zu entfalten.

  3. Investieren in die Sharing Economy ist oftmals schwierig. Nicht nur verteilt sich die Sharing Economy über mehrere Sektoren hinweg. Innerhalb der jeweiligen Sektoren befinden sich auch immer Gewinner und Verlierer. Eine sektorenbezogene Anlagestrategie erscheint daher als wenig erfolgsversprechend.

  4. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der Unternehmen (noch) nicht gelistet sind, sodass eine Beteiligung über den Aktienmarkt in der Regel unmöglich ist.

  5. Neben den Unternehmen der Sharing Economy gibt es unter den potentiellen Profiteuren aber auch eine ganze Reihe von anderen Unternehmen aus den Bereichen Online Payment Systeme und Sozialen Medien.

Welche Branchen verändern sich durch die Sharing Economy? Und wie könnten die etablierten Unternehmen auf den Trend reagieren?

Tauschen statt kaufen. Leihen statt besitzen. Das sind die Prinzipien der Sharing Economy. Dabei ist das Tauschen keine neue Erfindung. Schon in der Antike hatten die Ägypter „Leihbibliotheken“. Neu ist die Technologie, die das Tauschen auf eine neue einfache Ebene bringt. Durch Online-Plattformen und mobile Apps finden die Menschen schneller und direkter zueinander. Geografisch gibt es keine Grenzen. Weltweit entstehen neue Geschäftsmodelle.

Gelebt wird die Sharing Economy zum einen von Personen mit gemeinnützigen Motiven – ohne Profitgedanken. Zum anderen von Unternehmen, die Wachstum und Gewinn erzielen möchten.

Gemeinsames Erlebnis und sozialer Kontakt stehen im Fokus

In vielen kleinen Bereichen funktioniert Sharing Economy wie folgt: Menschen tauschen Gegenstände wie beispielsweise Kleider oder Werkzeuge untereinander aus. Ihnen geht es um ein gemeinsames Erlebnis, den sozialen Kontakt und den Wunsch nach weniger Konsum. Hier agieren Menschen, denen es zum einen um die Kostenersparnis geht, die zum anderen aber vor allem durch gemeinnützige Motive an der Sharing Economy teilnehmen. Denn durch das Teilen, Tauschen und Verleihen werden in der Regel deutlich weniger Material, Energie und Fläche für die Produkte verbraucht. Damit erhöht sich die Ressourcenproduktivität und die Umweltbilanz wird verbessert.

Was ist die Sharing Economy?

Sharing Economy ist eine Bezeichnung für Unternehmen, Organisationen und gesellschaftliche Gruppen, die einen Wert aus wenig bzw. ungenutzten Gütern oder Dienstleistungen erzielen. Sie handeln dabei aus wirtschaftlichen Interessen oder werden von gemeinnützigen Motiven angetrieben. Das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage erfolgt in der Regel über Online-Plattformen und Apps. Beispiele der Sharing Economy sind: Carsharing, der Verleih von Kleidern und Gegenständen, das Teilen von Mahlzeiten, Crowdfunding-Plattformen, Wissens- und Kompetenzaustausch, gemeinsame Nutzung einer Werkstatt oder Bürofläche.

Der größte Bettenvermieter besitzt keine eigenen Hotels

Aber auch gewinnorientierte Unternehmen agieren nach dem Prinzip der Sharing Economy – und das überaus erfolgreich. So besitzt im Jahr 2016 einer der weltweit größten Fahrdienste keine eigenen Taxis und einer der größten Bettenvermieter der Welt hat keine eigenen Hotels. Diese Unternehmen bringen auf ihren Online-Vermittlungsplattformen schnell und einfach Nachfrage und Angebot zusammen. Sie versprechen ihren Kunden ein authentisches Erlebnis – verknüpft mit Kostenersparnis und Ressourcenschonung.

So rückt das Produkt immer mehr in den Hintergrund. Der Vebraucher will nicht zwangsweise das Produkt besitzen, sondern lediglich nutzen. Der Service und die Dienstleistung stehen für ihn im Zentrum. Darauf sollten sich die Unternehmen der verschiedensten Branchen einstellen.

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Transport- und Mobilitätsbranche hat viel Potenzial

Vor allem die Transport- und Mobilitätsbranche könnte sich durch die Sharing Economy stark verändern. Laut einer Umfrage, die der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit TNS Emnid im Jahr 2015 durchgeführt hat, steckt hier viel Potenzial: 72 % der Befragten können sich vorstellen, Mitfahrgelegenheiten zu nutzen. Aber auch die Nutzung von Bikesharing (66 %) und Carsharing (62 %) ist für die Menschen vorstellbar. Weniger Interesse besteht laut der Statistik am „Teilen“ von Wohnungen (40 %) und an Crowdfunding (23 %).

Egal ob Kleidung, Fahrrad, Musik oder Auto: Teilen liegt im Trend.
Egal ob Kleidung, Fahrrad, Musik oder Auto: Teilen liegt im Trend.

Produktanpassungen und Strategien müssen entwickelt werden

Die Unternehmen müssen sich hinterfragen und analysieren, welche Auswirkung die Sharing Economy auf das eigene Geschäftsmodell hat. Danach sollten gegebenenfalls Produktanpassungen vorgenommen und neue Strategien entwickelt werden.

Etablierte Unternehmen, die schon lange in ihren Märkten agieren, reagieren bereits auf diesen Trend. Baumärkte vermieten schon seit mehreren Jahren Werkzeuge oder Transportmittel an ihre Kunden. Automobilhersteller kooperieren beispielsweise mit Mietwagenunternehmen und bieten in Großstädten bereits eigene Carsharing-Modelle an.

Sharing Economy Unternehmen bringen Angebot und Nachfrage zusammen und verdienen damit ihr Geld.
Sharing Economy Unternehmen bringen Angebot und Nachfrage zusammen und verdienen damit ihr Geld.

Bekanntheit von Sharing Economy ist noch niedrig

Die Bekanntheit des Begriffs Sharing Economy ist in Deutschland bislang eher gering: Nur 15 % der Gesamtbevölkerung kennen ihn überhaupt, bei den Internetnutzern sind es immerhin schon 28 %. Alle Altersgruppen sind sich jedoch einig, dass Sharing Economy eine Konsumform mit Zukunft ist. Das ergab die Studie „Sharing Economy 2015 “ des GfK Vereins.

Regulierungen könnten Sharing Economy bremsen

Ein Erfolg der Sharing Economy Unternehmen ist jedoch nicht selbstverständlich. Letztendlich wird ein Durchbruch dieser Bewegung auch von der Politik und der Gesetzgebung abhängig sein.

So sehen sich beispielsweise Taxi- und Hotelgewerbe durch die neuen Anbieter einem ungleichen Wettbewerb ausgesetzt. Sie selbst müssen Sicherheits-, Arbeitsschutz- und Hygienestandards sowie den Mindestlohn beachten, die Start-ups der Mitfahr- und Übernachtungsmöglichkeiten dagegen seien von diesen Anforderungen nicht betroffen, so ihre Argumentation. Hier wird die Zukunft zeigen, ob die Politik durch Regulierungen dem Druck der Etablierten nachgeben und die Sharing Economy dadurch bremsen wird.



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