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PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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Dr. Ulrich Stephan

Dienstag, 22. August 2017

Lieber Leser,

auch wenn sich Berlin inzwischen als Start-up-Hauptstadt zu etablieren scheint – Deutschland ist nach wie vor kein Gründerland. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Start-up-Gründungen um fast 30 Prozent zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig: zu wenig Risikokapital, schlechte Netzabdeckung oder, schlimmer noch, fehlende Ideen. Von den 140.000 Digitalfirmen, die 2016 eingetragen wurden, penetrieren die meisten den Markt mit Produkten, die es anderswo schon gibt. Nur 16 Prozent versuchen es mit echten Innovationen. Und die Politik? Hofft, dass der Brexit mehr Gründer nach Deutschland treibt. Entsprechend vollmundig sind die Wahlversprechen für einen Standort, an dem es noch immer doppelt so lange dauert, ein Start-up zu gründen, wie in Großbritannien. Sie sollten sie besser halten. Innovation ist schließlich der Schlüssel zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.

Der Wiener ATX-Index hat in diesem Jahr über 22 Prozent gewonnen, mehr als drei Mal so viel wie der Stoxx 600. Läuft in Österreich! Analysten haben ihre Gewinnerwartungen in den letzten sechs Monaten um 8,47 Prozent nach oben korrigiert. Daher sind die Bewertungen immer noch vergleichsweise niedrig. Allerdings sind für die Outperformance vor allem zwei Sektoren verantwortlich: Banken und Energieunternehmen. Und dahinter verbergen sich drei Unternehmen, die zusammen 43 Prozent des ATX ausmachen. Steigen deren Kurse weiter, treiben sie auch den Index an. Aber auch nur dann.

Mit einem Plus von fast zehn Prozent (gerechnet in Euro) sind 2017 auch Australiens Aktien gut gelaufen. Im ersten Halbjahr haben die Unternehmen ihre Gewinne um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert – so stark wie seit sechs Jahren nicht. Sie profitierten damit von Chinas Wachstum, das besser ausgefallen ist als erwartet. Allein Australiens Rohstoffunternehmen haben ihre Gewinne gegenüber dem schwachen Jahresanfang 2016 um 140 Prozent gesteigert. Nun, China dürfte weiter stetig wachsen – im Schnitt mit 6,4 Prozent, wie es der IWF gerade erst prognostiziert hat. Doch weisen die ersten Stimmungsindikatoren in Australien den Weg zurück in die Normalität. Im zweiten Halbjahr haben wir deshalb für die meisten Aktien die hohen Gewinnschätzungen ein wenig gestutzt. Ebenso unsere Prognose für den australischen Dollar. Insofern würde ich mit einer Aktienanlage in Down Under lieber warten.

Mit einem Plus von fast acht Prozent zum US-Dollar ist Thailands Währung in diesem Jahr die beste Asiens. Angetrieben von Tourismus und öffentlichen Investitionen stieg das thailändische BIP im zweiten Quartal um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, deutlicher als erwartet. Doch auch hier lege ich den Finger in die Wunde: Die Direktinvestitionen sind zwischen 2015 und 2016 von 5,7 auf 1,6 Milliarden US-Dollar eingebrochen. Mit der Macht der Militärjunta scheint auch das Misstrauen im Ausland zu wachsen, welchen Weg das Land langfristig einschlagen wird.

Zahl des Tages: 100.000.000
Man kennt das ja: In den Ferien sitzt der Geldbeutel lockerer. Und manchmal trifft einen das schlechte Gewissen erst mit der nächsten Kreditkartenabrechnung. Ging es Saudi-König Salman ibn Abd al-Aziz nach seinem Marokko-Urlaub womöglich ähnlich? Der Monarch legte für seinen Tanger-Trip mal eben 100 Millionen US-Dollar hin – für sich und seine 1000-köpfige Entourage. Ob er die Reise wohl bei Ab-in-den-Urlaub gebucht hat?

Ich wünsche Ihnen einen gönnerhaften Tag.

Ihr Ulrich Stephan,
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden

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