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Deutsche Bank

PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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Dr. Ulrich Stephan

Freitag, 24. März 2017

Lieber Leser,

kein Kompromiss in Washington – noch: Das US-Repräsentantenhaus hat sein Votum über die Reform der Krankenversicherung verschoben, weil die Republikaner trotz intensiver Versuche bisher ihre Stimmenmehrheit dafür nicht organisieren konnten. Die Märkte beobachten die Entwicklung genau und bleiben vor der heutigen Fortsetzung in Wartestellung.

Denn die Abschaffung von „Obamacare“ gilt als Testlauf für weitere, teils einschneidende Entscheidungen in Washington, etwa zur Steuerreform oder zur „border tax“. Private Haushalte und Unternehmen jedenfalls zögern daher offenbar mit größeren Investitionsentscheidungen: Zuletzt erhielten sie weniger Darlehen als Ende 2016 – das Wachstum bleibt zwar positiv, hat sich aber verlangsamt. Nach einem politischen Durchbruch dürfte die Kreditvergabe aber das aktuelle Zwischentief überwinden, weil die Aussichten für die US-Wirtschaft gut scheinen. Wie gut, kann man heute Nachmittag an den Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter und den vorläufigen Stimmungsindikatoren ablesen.

Die EZB versorgte gestern die Banken der Eurozone mit günstiger Liquidität: Diese nahmen im Zuge des seit der Finanzkrise angebotenen LTRO-Tenders über vier Jahre mehr als 250 Milliarden Euro auf – zu Negativzinsen für jene Institute, die das Geld als Kredite weiterreichen. Die Gesamtsumme übersteigt die erwarteten 110 Milliarden Euro deutlich und ist ein Beleg für den Optimismus der Institute. Denn die Konjunkturerholung dürfte dazu führen, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm im kommenden Jahr auslaufen lässt und 2019 mit Zinserhöhungen beginnt. Das stimmt mich mittelfristig zuversichtlich für den Finanzsektor, der nicht nur von einer stärkeren Wirtschaft profitieren würde, sondern auch auf höhere Zinsmargen hoffen kann.

Während hierzulande die Inflation laut GfK die Konsumentenlaune drückt, ist dieser Effekt in Großbritannien aktuell nicht erkennbar: Dort stiegen die Einzelhandelsumsätze im Februar mit einem Plus von 1,3 Prozent im Monatsvergleich deutlich stärker als die erwarteten 0,3 Prozent. Damit ist das Minus der beiden Vormonate aber längst nicht ausgeglichen. Das schwache Pfund dürfte die britische Inflation hoch halten. Dem werden sich über kurz oder lang auch die Untertanen der Queen nicht entziehen können. Zumal die ab April anstehenden Verhandlungen über die Bedingungen des Brexits die Unsicherheit noch einmal steigern könnten.

Besserung zeigt sich derzeit in Argentinien. Daher boten argentinische Dollarbonds in den vergangenen zwölf Monaten auch eine Performance von 12,1 Prozent. Dazu trugen marktfreundliche Maßnahmen von Präsident Mauricio Macri bei. So passte er zum Beispiel die staatlich kontrollierten Energiepreise dem internationalen Niveau an – nun beginnt sich der Investitionsstau in der Branche zu lösen. Zudem öffnet er das Land wieder mehr für ausländische Investoren. Macri schiebt seine Reformen auch ohne Mehrheit im Parlament an. Wenn dieses im Oktober neu gewählt wird, scheinen die politischen Risiken daher überschaubar – jedenfalls für ein Schwellenland.

Zahl des Tages: 6.000.000
Gigantische Entdeckung von Bonner Forschern: Sie haben jetzt das mit einem Durchmesser von rund sechs Millionen Lichtjahren größte bislang bekannte Magnetfeld im Universum vermessen, das sich in dem noch relativ unbekannten Galaxienhaufen „CIZA J2242.8+5301“ befindet. Astronomie scheint durchaus eine anziehende Disziplin zu sein!

Kommen Sie mit Lichtgeschwindigkeit ins Wochenende.

Ihr Ulrich Stephan,
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden

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