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PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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Dr. Ulrich Stephan

Freitag, 28. April 2017

Lieber Leser,

im April sind die Preise in Deutschland um zwei Prozent gestiegen. Mehr als erwartet und genau um jenen Prozentsatz, den sich die EZB für die Eurozone vorgenommen hat. In Spanien übertraf die Inflation mit 2,6 Prozent das Ziel der Zentralbanker sogar deutlich. Und was macht Mario Draghi? Er hält an seiner lockeren Rhetorik fest. Immerhin hat er eingeräumt, dass sich die wirtschaftliche Erholung beschleunigt und die Risiken abnehmen. Also dürfte er schon bald ein neues Skript brauchen. Ich rechne damit, dass er den Hinweis, die Zinsen blieben „noch sehr lang niedrig“, im Juni kassieren wird und das Anleihekaufprogramm der EZB ab 2018 auslaufen lässt. Der Gegenwind für die niedrig verzinsten Staatsanleihen der Eurozone dürfte also auffrischen.

Das sollte auch für schwedische Anleihen gelten, obwohl die Riksbank ihr Ankaufprogramm gestern sogar überraschend bis Ende 2017 verlängert hat. Dabei wächst die schwedische Wirtschaft stärker als die der Eurozone. Es scheint also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Stockholmer Zentralbanker zurückrudern. Fast überall auf der Welt kehrt die Inflation zurück, allein in Japan scheint sie eine Hoffnung der Bank of Japan zu bleiben. Auf absehbare Zeit dürfte die Notenbank ihre expansive Geldpolitik jedenfalls beibehalten und damit den Yen weiter schwächen. Dann könnte auch der japanische Aktienmarkt durchatmen.

Am Samstag regiert Donald Trump 100 Tage im Weißen Haus. Zwar dominierte seine Steuerreform diese Woche die News, er hat sich diese Woche aber auch in Handelspolitik versucht. Erst belegte er Bauholz aus Kanada mit einem Importzoll von 20 Prozent. Dann streute er die Nachricht, er würde per Dekret die NAFTA verlassen. Als daraufhin der mexikanische Peso und der kanadische Dollar einbrachen, ließ er verkünden, das Handelsabkommen solle doch nur neu verhandelt werden. Vielleicht hatte ihn sein Team inzwischen neu gebrieft, dass ohne NAFTA wieder die WTO-Standards gelten würden. Und dann könnte das Schwellenland Mexiko für US-Importe deutlich höhere Zölle verlangen als umgekehrt die USA für mexikanische Exporte. Der Geduldsfaden der Märkte ist allmählich überspannt. Politik per Twitter und Dekret reicht nicht mehr.

Harte Fakten sind dagegen ein Segen. Wie gut, dass morgen endlich Zahlen zum US-BIP für das erste Quartal veröffentlicht werden. Ich erwarte im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2016 ein Wachstum von einem Prozent. Dabei dürften die gestiegenen Investitionen den zuletzt schwachen Konsum kompensiert haben. Zwar enttäuschten gestern die Auftragseingänge langlebiger Investitionsgüter – aber nur auf den ersten Blick. Weil diese für Februar nachträglich nach oben korrigiert wurden, stieg das Auftragsvolumen im ersten Quartal gegenüber dem vierten Quartal 2016 um 7,5 Prozent per anno. Das ist ordentlich und genau das, was der US-Wirtschaft lange gefehlt hat. Hält der Trend und sollte heute der Index zum Konsumentenvertrauen der Uni Michigan den Eindruck bestätigen, dass die US-Verbraucher demnächst wieder mehr shoppen, dürfte sich das US-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich beschleunigen.

Zahl des Tages: 5
Coca-Cola hat in Japan ein neues, gesundes Getränk auf den Markt gebracht. Nein, keinen Smoothie, sondern Cola. Angereichert mit fünf Gramm Ballaststoffen, abgefüllt in weißen Flaschen, getauft auf den Namen Coca-Cola Plus soll das kalorienfreie Gebräu einmal am Tag beim Essen eingenommen werden und nach dem Essen der Verdauung zuträglich sein. One Coke Plus a day keeps the doctor away. Wer´s glaubt?

Tanzen Sie gut in den Mai.

Ihr Ulrich Stephan,
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden

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