PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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 Dr. Ulrich Stephan

12. April 2021

Liebe Leser,

Aktienfonds weltweit verzeichnen Mittelzuflüsse, der Eisenerzpreis könnte im Jahresverlauf unter Druck geraten, und die US-Kinobranche blickt auf ein überraschend gutes erstes Quartal.


Europäische gegenüber US-amerikanischen Titeln noch günstig

In den vergangenen fünf Monaten verzeichneten Aktienfonds weltweit Mittelzuflüsse in Höhe von knapp 570 Milliarden US-Dollar. Eine enorme Summe, die sogar die gesamten Zuflüsse der vorangegangenen zwölf Jahre von 452 Milliarden US-Dollar übersteigt. Wenngleich sich die Performance von Aktien aus Europa zuletzt sehen lassen konnte und ökonomische Kennzahlen überraschend positiv ausfielen, ging nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Mittelflüsse in europäische Aktienfonds. Es ist davon auszugehen, dass Meldungen zum vergleichsweise schwachen Start der Impfkampagne hierzulande sowie die jahrelange Underperformance europäischer gegenüber US-Titeln dafür verantwortlich sind. Jedoch sollten konjunktursensible Aktien – die in Europa stark vertreten sind – am stärksten von der erwarteten Erholung profitieren. Ich rate Anlegern deshalb weiterhin, sich gegen die Masse zu stellen und 2021 europäische Aktien überzugewichten. Die Bewertungen sind in Europa trotz der Höchststände vieler Leitindizes noch deutlich von den US-Niveaus entfernt. 

Dies lässt Luft für weitere Kursanstiege.


Rückenwind für europäische Stahlhersteller

Die ersten Schritte Chinas auf dem Weg zur Klimaneutralität treffen die chinesischen Stahlhersteller. Nachdem den Minen in der Stadt Tangshan vor kurzem bereits eine vorübergehende Produktionspause auferlegt worden war, hat die Regierung zusätzlich angeordnet, dass die Stahlproduktion bis zum Jahresende um 30 bis 50 Prozent reduziert werden müsse. Tangshan zeichnet für 14 Prozent der chinesischen Stahlproduktion verantwortlich. Dies wiederum entspricht 80 Prozent der gesamten Produktion der Stahlhersteller in der Europäischen Union. Analysten rechnen damit, dass China deshalb 2021 den gesamten heimisch produzierten Stahl im Inland verbrauchen wird, sodass aus dem Reich der Mitte kein Stahl exportiert werden sollte. Dies dürfte eine Chance für europäische Stahlhersteller sein, deren Kapazitäten im Vorjahr nur zu 63 Prozent ausgelastet waren. Da zudem der Eisenerzpreis im Jahresverlauf unter Druck geraten könnte, sollten sich die Margen erhöhen. Aktien dieser Produzenten könnten also interessant bleiben, wobei allerdings schon viel Optimismus eingepreist sein dürfte. 


US-Kinos geöffnet

Für die US-Kinobranche verlief das erste Quartal überraschend gut. Zwar lagen die Ticketeinnahmen 88 Prozent unter dem Vorjahresniveau, doch entspricht dies einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Branche profitiert davon, dass inzwischen über 90 Prozent der Kinos des Landes wieder öffnen dürfen, wenngleich mit maximal halber Belegung aller Sitze. Zudem ist auch der Kinostart des ersten Blockbusters des Jahres geglückt. Obwohl der Film gleichzeitig und kostenlos auf der Streamingplattform des Filmunternehmens zu sehen war, zogen überraschend viele Besucher den Kinosessel ihrem heimischen Sofa vor. Dies stimmt die Branche zuversichtlich, dass sich im weiteren Jahresverlauf mit steigender Impfquote und weiteren neuen Kassenschlagern die Erholung fortsetzen kann. Am Markt scheint mir dies jedoch bereits größtenteils eingepreist zu sein. Aktien gelisteter Kinobetreiber werden heute teilweise teurer gehandelt als vor der Pandemie. Für einen Einstieg scheint es mir zu spät zu sein.


Haustiermarkt in den USA wächst

In den USA besitzen zwei von drei Haushalten ein Haustier. Insgesamt sind es rund 130 Millionen. Im Jahr 2019 gaben die US-Amerikaner für Futter, Spielzeug, Erziehung und die medizinische Versorgung ihrer Tiere insgesamt rund 100 Milliarden US-Dollar aus. Experten schätzen jedoch, dass diese Summe bis 2030 auf 275 Milliarden US-Dollar anwachsen könnte. Denn 65 Prozent der 18- bis 34-jährigen US-Amerikaner – der mittlerweile größten Bevölkerungsgruppe der USA – planen sich ein (weiteres) Haustier zuzulegen. Von den übrigen Kohorten planen dies nur 43 Prozent. Zudem sind sie wahrscheinlich bereit, mehr als andere Alterskohorten für das Wohlergehen ihrer tierischen Mitbewohner auszugeben. 54 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben an, ihre Haustiere wie ihre Kinder zu behandeln, 43 Prozent würden sich für ihr Tier sogar verschulden und 35 Prozent stellen dessen Bedürfnisse vor die eigenen. Prognosen zufolge könnten die jährlichen Ausgaben pro Haustier von heute 770 US-Dollar auf 1.900 US-Dollar im Jahr 2030 steigen. Innovative Konzerne, die vom wachsenden Haustiermarkt profitieren dürften, finden sich beispielsweise in Bereichen wie Telemedizin, Onlineversand von Tierfutter und speziellen Krankenversicherungen.


USA: Konjunkturprogramme befeuern die Kurse

Der starke US-Arbeitsmarktbericht sowie die billionenschweren Ausgabenpläne von US-Präsident Joe Biden trieben zuletzt die Kurse auf Rekordhochs. Welche Sektoren erscheinen in diesem Umfeld interessant? Darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 1

Eine Runde joggen, um die Batterien wieder aufzuladen? Wenn es nach Jianliang Xiao von der University of Colorado Boulder geht, ist das mehr als eine Redensart. Der Ingenieur hat kleine Generatoren entwickelt, die Körperwärme in elektrischen Strom umwandeln. Als Ring oder Armband getragen, erzeugen die Geräte rund ein Volt elektrische Spannung pro Quadratzentimeter Haut. Das reicht zum Beispiel für eine Armbanduhr – oder einen Fitnesstracker.  

Ich wünsche Ihnen einen energiereichen Tag. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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