PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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 Dr. Ulrich Stephan

26. Juli 2021

Liebe Leser,

die Berichtssaison erreicht ihren Höhepunkt, der Börsenwert europäischer Softwareunternehmen liegt bei weniger als 400 Milliarden Euro, und China startet ein nationales Emissionshandelssystem.


Berichtssaison erreicht Höhepunkt

In den USA und in Europa legen diese Woche jeweils knapp 200 Unternehmen ihre Geschäftsergebnisse vor – rund die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&P 500 beziehungsweise des STOXX 600. Die bisher veröffentlichten Zahlen zeugen von einer starken Erholung der Geschäftslage. 86 Prozent der US-Konzerne übertrafen die Gewinnerwartungen der Analysten, im Schnitt um 18 Prozent. Das durchschnittliche Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr liegt bei 99 Prozent. In Europa konnten immerhin 62 Prozent der Unternehmensgewinne die Erwartungen übertreffen, wenn auch „nur“ um acht Prozent. Das Gewinnwachstum liegt dort bisher bei 29 Prozent. Besonders positiv bewerte ich, dass zirka 90 Prozent der US-Unternehmen, die ihre Gewinnprognosen für das Gesamtjahr 2021 angepasst haben, diese anhoben. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte diese Woche positive Impulse für die Aktienmärkte bringen.


US-Firmen im Softwaresektor weit vorn

Der Börsenwert europäischer Softwareunternehmen liegt bei weniger als 400 Milliarden Euro. Dies entspricht gerade einmal einem Siebtel der Marktkapitalisierung der US-Softwareriesen des S&P 500 und spiegelt insbesondere die Anteilsverteilung im 500 Milliarden Euro großen globalen Softwaremarkt – gemessen an den jährlichen Gesamtausgaben – wider. Entsprechend bleiben für Anleger im Softwarebereich US-Unternehmen weiterhin die erste Wahl. Doch auch ausgewählte europäische Titel dürften einen Blick wert sein. Denn in Segmenten wie Industrie- und Automatisierungssoftware, Flug- und Reisebuchungssysteme sowie Bankensoftware verfügen hiesige Konzerne über signifikante Marktanteile und sind teilweise Weltmarktführer. Angesichts der vergleichsweise hohen geschätzten Wachstumspotenziale dieser Bereiche von jährlich knapp zehn Prozent bis 2025 halte ich auch Kurs-Gewinn-Verhältnisse von bis zu 40x für nicht zu hoch.


China startet nationalen Emissionshandel

Nach fast zehnjähriger Vorbereitungszeit gab Peking jüngst den Start seines nationalen Emissionshandelssystems (EHS) bekannt, das die bisher existierenden regionalen EHS ersetzen soll. An der Schanghaier Börse für Emissionszertifikate werden anfangs 2.225 chinesische Energieerzeuger am CO2-Handel teilnehmen. Sie sind nach Angaben der Internationalen Energieagentur für mehr als ein Siebtel der globalen Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Bis 2025 sollen sieben weitere energieintensive Sektoren integriert werden, darunter die Stahl-, die Chemie- und die Luftfahrtindustrie. Das zunächst hohe Angebot an staatlich ausgegebenen Zertifikaten hat den Preis bei umgerechnet rund sechs Euro je Tonne CO2 einpendeln lassen. So soll den Unternehmen Zeit gegeben werden, ihre Produktionsprozesse schrittweise CO2-ärmer zu gestalten. Langfristig dürfte China die CO2-Kontingente jedoch reduzieren, um bis 2060 das erklärte Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. In Europa blieb der CO2-Preis infolge eines Überangebots an Emissionsrechten lange Jahre unter zehn Euro pro Tonne. In den vergangenen zwölf Monaten hat er sich als Reaktion auf die verschärften Klimaziele der Europäischen Union hingegen von 20 auf aktuell knapp 51 Euro je Tonne CO2 mehr als verdoppelt. Auf lange Sicht sollten sich die chinesischen Zertifikate in ähnlichem Ausmaß verteuern, um ihrem Zweck gerecht zu werden.


Höherer Renditeaufschlag für Schwellenländer

Auch die Anleihen von Schwellenländern sind im Zuge der allgemein gestiegenen Unsicherheit an den Märkten zuletzt unter Druck geraten. Der Renditeaufschlag von in US-Dollar begebenen Bonds der aufstrebenden Länder gegenüber US-Staatsanleihen hat sich seit Monatsbeginn um gut 0,2 Prozentpunkte auf rund 3,1 Prozent erhöht.

Zwar sind die Schwellenländer von der hochinfektiösen Delta-Variante stark betroffen, sodass die Infektionszahlen in vielen Staaten wieder steigen. Die wirtschaftlichen Belastungen sollten aber nicht mehr das Ausmaß der vorangegangenen Pandemiewellen erreichen. Auch in den Schwellenländern sind die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nun deutlich zielgerichteter als zu Beginn der Pandemie, während in wichtigen Sektoren wie der Industrie, der Bauwirtschaft und dem Bergbau meist ohne Einschränkungen weitergearbeitet wird. Die konjunkturelle Erholung dürfte sich dadurch allenfalls etwas verzögern, aber keinesfalls ein Ende finden. Anleihen mancher Schwellenländer könnten wegen ihres interessanten Renditeaufschlags daher einen Blick wert sein.


Umdenken bei der Altersvorsorge

Ohne private Altersvorsorge geht es schon lange nicht mehr. Welche Möglichkeiten gibt es? Und welche Rolle können Aktien dabei spielen? Darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und Chef-Anlagestratege Dr. Ulrich Stephan in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 1.000.000.000

Science-Fiction-Autoren haben meist einen Warp-Antrieb oder ein Wurmloch zur Hand, um ihre Helden von einem Ende der Milchstraße zum anderen zu transportieren. Aber auch mit bekannter Technologie sind galaktische Reisen denkbar – wenn man sich genug Zeit nimmt. Die US-Wissenschaftler Jason Wright und Caleb Scherf haben berechnet: Eine Zivilisation könnte den inneren Teil einer Galaxie in einer Milliarde Jahren besiedeln, wenn ihre Raumschiffe so schnell unterwegs wären wie irdische Raumsonden. Kleinere Probleme wie die Planung von Raumfahrten, die viele tausend Jahre dauern, wären vorher allerdings noch zu lösen. 

Setzen Sie heute langfristige Ziele. 

Herzlichst

Ihr Michael Blumenroth

 Kapitalmarktstratege


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