PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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 Dr. Ulrich Stephan

20. Januar 2021

Liebe Leser,

Anlageprofis werden zunehmend euphorisch, die Neuzulassungen in Europa für E-Autos wachsen 2020 stark, und Luxusaktien verfügen über einige positive Treiber.


Fondsmanager euphorisch

Anlageprofis werden zunehmend euphorisch – das zeigen die jüngsten Ergebnisse einer monatlichen Befragung von Fondsmanagern. Der Anteil der Befragten, die einen Anstieg der Inflation, der Kapitalmarktzinsen und der Gewinne je Aktie erwarten, stieg jeweils auf ein Allzeithoch. Der ungebrochen hohe Konjunkturoptimismus spiegelt sich auch in den Anlageentscheidungen wider. Die Bargeldbestände liegen mit 3,9 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit März 2013. Gleichzeitig setzen die Befragten verstärkt auf Aktien von Banken, von kleinen Unternehmen oder von Firmen aus Schwellenländern. Aktien aus dem Gesundheits- sowie aus dem Technologiesektor werden hingegen weiterhin untergewichtet. Bei Letzteren sank die Positionierung sogar auf ein Zweijahrestief. Diese zunehmend einseitige Positionierung könnte im Falle einer Korrektur den Rücksetzer noch vertiefen. Niedrigere Kurse könnten risikobereite Anleger wiederum für den Einstieg in zyklische Marktbereiche nutzen.


E-Autos nachgefragt

Die Neuzulassungen in Europa für E-Autos sind 2020 entgegen des allgemeinen Trends stark gewachsen. Während die PKW-Verkäufe insgesamt um ein Viertel einbrachen, wurden in den fünf größten Ländern gegenüber 2019 fast dreimal mehr rein batterieelektrische Autos und viereinhalbmal so viele Hybride zugelassen. Dementsprechend dürften fast alle Hersteller in Europa die CO2-Ziele für neue PKW 2020 erreicht haben, was ihnen hohe Strafzahlungen an die EU erspart. Ich rechne damit, dass ambitionierte Vorgaben für den Schadstoffausstoß und staatliche Hilfen auch weiterhin für hohe Zuwachsraten bei E-Autos sorgen werden – ihr Anteil an den Neuzulassungen könnte von aktuell sechs Prozent bis 2025 auf 25 Prozent steigen. Europäische Hersteller dürften an diesem Wachstum maßgeblich partizipieren. Obwohl die Kurse von Autoaktien schon kräftig zugelegt haben und die Herausforderungen für den Sektor groß bleiben, sehe ich vor dem Hintergrund des zu erwartenden Konjunkturaufschwungs noch Aufwärtspotenzial.


Luxusaktien gestärkt

Luxusaktien verfügen über einige positive Treiber: Die Nachfrage nach Schmuck, Mode und Uhren steigt stetig an, die Eintrittshürden in den Markt sind hoch und die Unternehmen verfügen über starke Marken sowie hohe Preissetzungsmacht. Zudem attestieren Experten der Branche 2021 ein Gewinnwachstum von 95 Prozent. Angesichts der derzeitigen Bewertungen halte ich diese Faktoren jedoch für bereits eingepreist.

Zudem stiegen die Realzinsen – also die aktuellen Marktrenditen im Verhältnis zu den Inflationserwartungen – insbesondere in den USA von ihren Tiefs deutlich an. Die Goldpreise erholten sich jedoch schnell, da der US-Dollar auf neue zyklische Tiefstände fiel und somit den Goldkauf außerhalb der USA verbilligte. Zudem dürfte die Geldpolitik der Zentralbanken weltweit auf längere Sicht sehr expansiv bleiben, weshalb einige Investoren Gold nun wieder vermehrt als „Inflationsschutz“ nachfragen. Eine starke Konjunkturbelebung insbesondere in Schwellenländern könnte zur Jahresmitte 2021 auch die Kauflaune der physischen Investoren wiederbeleben, allerdings zuvor für weitere Umschichtungen von Gold in Aktienmärkte sorgen. Kurspotenzial für Gold könnte somit eher mittelfristig bestehen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne 2022 liegt mit 27 rund 55 Prozent über dem zehnjährigen Durchschnitt und 70 Prozent über dem Durchschnitt seit 1994. Gemessen am Verhältnis von Unternehmenswerten zu Umsätzen wird der Sektor sogar mit einem Aufschlag von 100 beziehungsweise 80 Prozent gehandelt. Interessierte Anleger sollten vor diesem Hintergrund mit dem Einstieg auf eine bessere Gelegenheit warten.


Mexikanische Aktien wiederentdeckt

Mexiko ist nicht nur bei Touristen ein gefragtes Ziel, auch Aktienanleger haben das Land zu Jahresbeginn wiederentdeckt. In den ersten elf Handelstagen legte der Leitindex S&P/BMV IPC rund fünf Prozent zu. Der Index profitierte dabei von der robusten Wertentwicklung zyklischer Titel aus der Finanzindustrie und aus dem Energiesektor, denen die steilere Zinskurve beziehungsweise die steigenden Ölpreise zugutekommen. Zudem überraschten Daten zur Industrieproduktion in Mexiko positiv und deuten auf eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit der verarbeitenden Industrie hin. Der Aufwärtstrend des Mexikanischen Peso gegenüber dem US-Dollar seit vergangenem Frühjahr hält die Inflation in Mexiko im Zaum. Deshalb sehen Analysten Chancen für zwei bis drei Leitzinssenkungen der mexikanischen Notenbank, die die Wirtschaft weiterhin stützen dürften. Obgleich an den Märkten schon einiges an Optimismus eingepreist ist, könnte der mexikanische Aktienmarkt somit weiteres Potenzial besitzen.


Was Anleger 2021 wissen sollten

Die Coronavirus-Pandemie prägte 2020 und dürfte uns auch im neuen Jahr begleiten. Welche Richtung die Kapitalmärkte einschlagen, wird in hohem Maße auch von der Politik abhängen. Hier sind 10 Prognosen von Chef-Anlagestratege Dr. Ulrich Stephan für 2021, die Anleger kennen sollten.


Zahl des Tages: 982

Die Suche nach außerirdischer Intelligenz war bislang nicht von Erfolg gekrönt. Umso mehr horchten die Alien-Jäger auf, als vor Kurzem die Nachricht von einem mysteriösen Funksignal die Runde machte: Ausgerechnet der uns direkt benachbarte Stern Proxima Centauri scheint die Quelle eines Signals auf der Wellenlänge 982 Megahertz zu sein. Eine natürliche Ursache gilt als wenig wahrscheinlich. Doch bevor wir die neuen interstellaren Nachbarn begrüßen, müssen die Forscher noch eine Vielzahl irdischer Störquellen ausschließen. 

Greifen Sie heute nach den Sternen. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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