PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

Lassen Sie sich keinen Kommentar entgehen - abonnieren Sie einfach die PERSPEKTIVEN am Morgen.

 Dr. Ulrich Stephan

21. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Strom verteuert sich an der Leipziger Energiebörse stark, der Schweizer Franken wird seinem Ruf als „sicherer Hafen“ derzeit nicht gerecht, und am europäischen Private-Equity-Markt deuten weniger Verkäufe auf längere Haltedauern hin.

Strompreis steigt auf höchsten Stand seit Ende Januar

Der Strompreis für Lieferung in einem Monat ist an der Leipziger Energiebörse deutlich gestiegen. Mit mehr als 125 Euro je Megawattstunde erreichte er zum gestrigen Handelsstart den höchsten Stand seit Ende Januar und lag klar über dem Niveau von 70 Euro Ende April. Wichtigster Preistreiber bleibt Erdgas: Im Strommarkt setzt – nach dem Merit-Order-Prinzip – in der Regel das teuerste Kraftwerk den Preis, das zur Deckung der Nachfrage noch benötigt wird. Trotz des Ausbaus Erneuerbarer Energien sind dies häufig weiterhin Gaskraftwerke, sodass Erdgas den Strompreis maßgeblich beeinflusst. Wegen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten kostet Gas derzeit mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Zusätzlich trieben Klimaanlagen während der Hitzephasen die Stromnachfrage, während die Windstromproduktion schwach ausfiel. Verbraucher müssen daher vorerst mit erhöhten Preisen rechnen, wenngleich diese weit unter den Extremwerten der Energiekrise 2022 bleiben dürften. Mittelfristig erwarten Händler jedoch Entspannung, da die Terminkurse für 2027 bis 2029 deutlich niedriger liegen.

Europas Banken starten mit hohen Gewinnerwartungen in die Berichtssaison

Der europäische Bankensektor startet aus einer Position der Stärke in die Berichtssaison für das zweite Quartal. Für die Banken wird im Median ein Gewinnwachstum von rund sechs Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet – gestützt durch robuste Zinsüberschüsse, starke Erträge im Asset- und Wealth-Management, Kostendisziplin sowie bei einigen Instituten durch zusätzliche Erträge aus einer zunehmenden Dynamik des Übernahmegeschäfts. Im Fokus der Anleger steht daher die Frage, ob die solide operative Entwicklung den zentralen Belastungsfaktor kompensieren kann: potenziell höhere Rückstellungen für Kreditausfälle. Dies gilt insbesondere für das Unternehmenskreditgeschäft, da erhöhte Energiekosten im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt die Profitabilität der Unternehmen belasten könnten. Dennoch bleibt der mittelfristige Ausblick für den Sektor konstruktiv: Analysten haben ihre Gewinnerwartungen in den vergangenen Wochen weiter angehoben und rechnen mit einem Gewinnwachstum je Aktie von rund acht Prozent im Jahr 2026 sowie 14 Prozent im Jahr 2027.

Schweizer Franken: „Sicherer Hafen“ verliert trotz Krisenstimmung an Wert

Der Schweizer Franken zeigt trotz geopolitischer Risiken und erhöhter Marktvolatilität derzeit wenig von seiner üblichen Stärke als „sicherer Hafen“. Seit Anfang März verlor er gegenüber dem Euro rund drei Prozent. 

Zunächst hielt die Schweizerische Nationalbank den Schweizer Franken zurück, indem sie wiederholt Eingriffe am Devisenmarkt gegen eine übermäßige Aufwertung in Aussicht stellte. Inzwischen dürfte jedoch vor allem das Zinsgefälle zum Euro den Ausschlag geben. Während die Schweizer Leitzinsen wegen der niedrigen Inflation wohl mindestens bis zum Jahresende bei null Prozent bleiben dürften, hat die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik bereits gestrafft. An den Terminmärkten werden zwei weitere Zinserhöhungen bis zum ersten Quartal 2027 erwartet. Erst wenn diese Erwartungen nachlassen, dürfte der Franken wieder Aufwertungspotenzial haben.

Europäischer Private-Equity-Markt: Weniger Verkäufe verlängern Haltedauern

Investitionen in Privatmarktanlagen haben regelmäßig Haltedauern von über fünf Jahren. Dies hat zwei Gründe: 

  1. Die nachhaltige Entwicklung von Beteiligungen benötigt Zeit.
  2. Die wirtschaftliche Gesamtlage beeinflusst den attraktiven Veräußerungszeitpunkt von Beteiligungen.

Letzteres lastet seit Beginn des Iran-Konflikts auf dem Markt von europäischen Unternehmen. Das Verhältnis von Investitionen zu Veräußerungen stieg im ersten Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. In diesem Zeitraum wurden zwar über 1.500 Transaktionen abgeschlossen, aber nur rund 540 Beteiligungen wieder verkauft. Davon hatten 22 Verkäufe einen Wert von über einer Milliarde Euro – knapp zwei Drittel des gesamten „Exit-Werts“. Anleger mit Interesse an europäischen Private-Equity-Fonds sollten die Entwicklung der Haltedauer beobachten. Grundsätzlich bleiben europäische Private-Equity-Investitionen im globalen Vergleich attraktiv bewertet, höhere Zinsen könnten jedoch zusätzlichen Gegenwind bringen und den Rückstau weiter vergrößern.

ETF ist nicht gleich ETF

ETFs galten lange als einfache Indexfonds. Heute haben Anleger allein in Deutschland die Wahl aus rund 2.800 börsengehandelten ETFs – von klassischen Welt-ETFs über Themen wie Künstliche Intelligenz, Rüstung und Raumfahrt bis hin zu aktiv gemanagten Strategien. Hilft diese Vielfalt bei der Geldanlage oder macht sie diese komplizierter? Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 1

An einer kahlen Felswand auf einer Insel des Juan-Fernández-Archipels, einige hundert Kilometer vor der chilenischen Küste, wächst ein unscheinbarer, mit Seilen gesicherter Baum. Er ist der letzte Überlebende seiner Art, ein Korbblütler der Spezies Dendroseris neriifoliaZiegen und Nagetiere vom Festland haben den Bestand bis auf ein einziges Exemplar reduziert. Ein Team um Diego Penneckamp vom Naturpark Verde Nativo in Chile hat jetzt 400 Samen des Baums in Netzen gesammelt, aus denen in den botanischen Gärten von Kew und Edinburgh in Großbritannien inzwischen acht Keimlinge gezogen wurden. Vielleicht finden einige davon ja ihren Weg zurück auf die ferne Inselgruppe. Das wäre auch eine gute Nachricht für den Juan-Fernández-Kolibri: Für den seltenen Vogel sind die Blüten von Dendroseris neriifolia eine wichtige Nahrungsquelle. 

Zeigen Sie heute Durchhaltevermögen.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen abonnieren

Lassen Sie sich keinen Kommentar entgehen – abonnieren Sie einfach die PERSPEKTIVEN am Morgen.

Themen-Investments

Themen-Investments

Infrastruktur –
Basis für Fortschritt 

Infrastruktur –
Basis für Fortschritt 

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.