PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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 Dr. Ulrich Stephan

28. Februar 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

Deutschlands Automobilindustrie erholt sich, die Performance des niederländischen IT-Sektors glänzt, und Südkoreas Finanzaufsichtsbehörde plant Reformen.


Automobilsektor: Sorgen trotz Erholungskurs

Die deutsche Automobilindustrie hat seit der Corona-Pandemie ein Comeback erlebt. Während die hiesige Automobilproduktion zwischen 2016 und 2022 rückläufig war, hat sie sich seither erholt und liegt nun etwa zehn Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie, nachdem der Einbruch zu ihrem Tiefststand etwa 35 Prozent betragen hat. Ein Grund für den Aufschwung ist, dass die Exporte zugenommen haben und der Anteil der Nettoausfuhren von Kraftfahrzeugen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 2,9 Prozent im Jahr 2023 nun wieder das Niveau von 2018 erreicht hat. Die Exporte gen China anteilig am BIP gehen jedoch zurück, da China im Inland mehr produziert. Im wachsenden Segment der Elektroautos haben die chinesischen Exporte zudem zugelegt und sind von etwas mehr als einer halben Million im Jahr 2021 auf fast zwei Millionen Einheiten im Jahr 2023 gestiegen. Das erhöht den internationalen Wettbewerb. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Entsprechend handeln europäische Aktien des Sektors mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut sechs etwa 20 Prozent unter dem Mittel der vergangenen zehn Jahre.


Niederlande: IT-Sektor sticht hervor

In den Niederlanden ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 44,8 im Dezember auf 48,9 Punkte im Januar gestiegen – den höchsten Stand seit Januar 2023. Bereits im Dezember war die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 6,8 Prozent gestiegen und damit stärker als je zuvor seit Erfassung der Daten. Dabei sticht besonders die Performance des modernen IT-Sektors hervor: Er legte gemessen am entsprechenden Subindex des MSCI Niederlande seit Jahresanfang unter Schwankungen über 30 Prozent zu – der MSCI Niederlande selbst stieg nur um etwa die Hälfte und der MSCI Europa nur um gut drei Prozent.

Die Branche – die etwa die Hälfte der Marktkapitalisierung des MSCI Niederlande ausmacht – profitiert weiterhin stark von der digitalen Transformation, die während der Pandemie einen zusätzlichen Schub erlebte. In Zukunft dürften die Themen Cybersicherheit, Prozessautomatisierung und Outsourcing von IT-Dienstleistungen den Markt antreiben und dieses Jahr für Wachstum sorgen. Ausgewählte Aktien unseres nordwestlichen Nachbarn könnten entsprechend interessant bleiben.


Chinas Immobilienpreise korrigieren weiter

Die Preise für neue Wohnungen in China gingen gemessen am NBS-Index – der 70 Städte umfasst – im Januar auf das Jahr hochgerechnet um 3,2 Prozent zurück. Im Dezember waren es bereits 2,5 Prozent. Bei bestehenden Immobilien fiel die Korrektur noch deutlich größer aus. Vom 2021 erreichten Gipfel sind die Immobilienpreise inzwischen über 15 Prozent gefallen – beinahe halb so viel wie der Einbruch in den USA infolge der Weltfinanzkrise. Zwar wächst Chinas Wirtschaft schneller als die der USA – was dabei helfen sollte, aus den Problemen „herauszuwachsen“ –, allerdings entsprachen die Immobilienpreise im Jahr 2021 im Durchschnitt fast dem Achtfachen der Haushaltseinkommen, im Vergleich zu 3,5 in den USA im Jahr 2006. Trotz mehrerer Stabilisierungsmaßnahmen der Regierung – wie beispielsweise der jüngsten Senkung des fünfjährigen Referenzsatzes für Hypothekenkredite von 4,20 auf 3,95 Prozent – dürfte der Immobiliensektor China daher noch eine Weile zu schaffen machen.


Reformpläne für Südkoreas Aktienmarkt

Am Montag kündigte Südkoreas Finanzaufsichtsbehörde FSC einen Reformplan an, der börsennotierte Unternehmen für Anleger attraktiver machen und deren Börsenwert steigern soll. Das sogenannte Corporate-Value-up-Programm orientiert sich an Japan, wo staatlich incentivierte Reformen der Unternehmensführung sowie steuerbegünstigte Aktienrückkauf- und Ausschüttungsstrategien einen Bewertungsanstieg der Aktien unterstützt haben. Zudem soll Südkoreas staatlicher Pensionsfonds zukünftig bevorzugt in Unternehmen mit einer aktionärsorientierten Geschäftspolitik investieren. Aktuell liegt das durchschnittliche Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) der im Leitindex KOSPI notierten Unternehmen bei mageren 0,9 – ihr Marktwert ist also geringer als der Wert ihrer bilanzierten Vermögenswerte. Demgegenüber sind die Nachbarmärkte Japans und Taiwans mit KBVs von 1,4 und 2,2 deutlich höher bewertet. Zwar erwarte ich durch das Reformprogramm keinen sofortigen, sprunghaften Bewertungsanstieg südkoreanischer Aktien. Mittelfristig könnte sich deren Bewertungsabschlag jedoch strukturell reduzieren und für ein nachhaltig höheres Kursniveau an der Börse in Seoul sorgen.


Superwahljahr: worauf sich Anleger einstellen müssen

„Politische Börsen haben kurze Beine“, lautet eine Börsenweisheit. Nun finden 2024 weltweit zahlreiche Wahlen statt, darunter die Europawahl und die US-Präsidentschaftswahl. Behält die Börsenweisheit recht oder müssen sich Anleger auf längerfristige Schwankungen einstellen? Das erfahren Sie von mir im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.


Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • Europa | 107 Konzerne des STOXX 600 berichten Quartalsergebnisse, unter anderem Daimler Truck, Compagnie de Saint-Gobain, Covestro, MTU Aero Engines, MAN, Aixtron, Anheuser-Busch InBev, Reckitt, ASM International und Münchener Rück.
  •  USA | 40 S&P-500-Unternehmen legen Zahlen vor, darunter Hewlett-Packard, Salesforce, Monster Beverage, Norwegian Cruise Line, Lowe’s und Domino’s Pizza.
  • Asien | Aus Hongkong melden sich NetEase und Baidu.

Donnerstag, USA | PCE Core Deflator für Januar. Das bevorzugte Inflationsmaß der Währungshüter dürfte von 2,9 auf 2,8 Prozent gesunken sein. Nachdem die Kerninflationsrate zuletzt höher als erwartet ausgefallen war, könnte sich der Aktien- und der Anleihemarkt angesichts eines leichten Rückgangs erfreut zeigen und der US-Dollar nachgeben.

Freitag

  • Eurozone | Verbraucherpreise im Februar. Bei der Gesamtinflation wird ein Rückgang von 2,8 auf 2,5 Prozent erwartet, während die Kernrate um 0,3 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent gesunken sein sollte. Bleibt die gleichzeitig veröffentlichte Arbeitslosenquote auf ihrem historischen Tiefstand von 6,4 Prozent, könnten die europäischen Aktien hinzugewinnen.
  • China | NBS-Einkaufsmanagerindizes für Februar. Die Stimmung dürfte auf dem Niveau des Vormonats verweilt haben. Während das Verarbeitende Gewerbe leicht geschrumpft sein sollte, könnte der Index für den Dienstleistungssektor knapp über der Expansionsschwelle von 50 Punkten liegen. Wenn sich die Wirtschaft nicht beschleunigt oder die Regierung keine neuen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums ankündigt, scheint ein weiterer Anstieg der Volatilität wahrscheinlich.


      Zahl des Tages: 141

      Die Osterinsel im südöstlichen Pazifik birgt zahlreiche Geheimnisse. Eines davon ist die bis heute nicht entzifferte Rongorongo-Schrift, die auf rund zwei Dutzend alten Holztafeln dokumentiert ist. Ein Team um Silvia Ferrara von der Universität Bologna konnte deren Alter jetzt mit der Radiokarbonmethode bestimmen. Das Holz einer Tafel stammt aus dem Zeitraum 1493 bis 1509 – sie entstand also über 200 Jahre, bevor die ersten Europäer die Insel erreichten. Die These, die Rongorongo-Zeichen würden europäische Schriften imitieren, ist damit wohl vom Tisch. Und noch etwas fand Ferrara heraus: Das Holz der Tafel stammt von einem Baum, der auf der Osterinsel nicht vorkommt. Die Insulaner nutzten offenbar Treibgut, um ihre Gedanken für die Nachwelt festzuhalten. 

      Schaffen Sie heute etwas Bleibendes. 

      Herzlichst

      Ihr Ulrich Stephan

      Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden


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