PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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 Dr. Ulrich Stephan

22. Juni 2021

Liebe Leser,

der US-Renditeanstieg nach der Fed-Sitzung währt nicht lange, Kanadas Leitindex hält sich bei 20.000 Punkten, und Hersteller für Automobil-Chips weiten ihre Kapazitäten aus.


Anleihen: US-Renditerückgang nicht nachhaltig

Der Renditeanstieg lang laufender US-Staatsanleihen nach der Fed-Sitzung währte nicht lange. Gestern rentierten zehnjährige Papiere im asiatischen Handel nur noch bei 1,36 Prozent und damit etwa 0,2 Prozentpunkte niedriger als am vergangenen Mittwoch. Inzwischen ist die Rendite wieder auf 1,47 Prozent gestiegen. Die Entwicklung erscheint auf den ersten Blick paradox: Die Inflation war zuletzt so hoch wie seit 2008 nicht mehr, während die US-Währungshüter nun mehrheitlich bereits 2023 steigende Leitzinsen erwarten. Gerade die Möglichkeit einer schnelleren Straffung durch die Fed könnte aber die Entwicklung der Renditen am langen Ende der Zinsstrukturkurve erklären. Offensichtlich glauben die Märkte, dass die Währungshüter die Inflation damit unter Kontrolle halten und der Preisanstieg dementsprechend nur vorübergehend ist. Denn die in zehnjährigen US-Treasuries eingepreisten Inflationserwartungen sind seit der Sitzung ebenfalls um etwa 0,2 Prozentpunkte gefallen. Zudem könnte der Renditerückgang auf eine gesunkene Risikobereitschaft zurückzuführen sein – der Yen nämlich war als „sicherer Hafen“ für Anleger stärker gefragt und wertete vor allem gegenüber dem Euro kräftig auf. Für einen nachhaltigen Trend halte ich die jüngste Entwicklung nicht: In einem Umfeld starker Wachstums- und hoher Inflationsraten sollte der Aufwärtsdruck bei den Renditen bald wieder zunehmen, wie sich nach dem sogenannten Hexensabbat – dem Derivateverfall – zum Wochenstart bereits zeigte.


Aktien: Kanada überholt die USA

Der Aktienleitindex der Börse in Toronto setzte im Anschluss an die Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche etwas zurück, hält sich aber an der Marke von 20.000 Punkten, die er Anfang Juni erstmals überwunden hatte. Der kanadische Markt hat selbst nach dieser kleinen Korrektur immer noch seit Jahresbeginn etwa 15 Prozent beziehungsweise in Euro betrachtet gar 21 Prozent zugelegt und somit ein ganzes Stück mehr als die US-Leitindizes.

Kanadische Energiefirmen – die 13 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen – profitieren von der Verteuerung der Ölsorte Western Canadian Select um rund 80 Prozent seit Jahresbeginn auf das teuerste Niveau seit 2014. Ein größeres Gewicht haben mit 31 Prozent nur Finanztitel. Zwar gaben in den vergangenen Tagen die Renditen lang laufender kanadischer Staatsanleihen nach; allerdings ist das Renditeniveau beispielsweise der zehnjährigen Laufzeit mit rund 1,4 Prozent weiterhin doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn mit 0,67 Prozent, wovon die Aktien des Finanzsektors profitieren. Dem kurzfristigen Risiko weiterer Rücksetzer könnte auch wegen des erwarteten Gewinnwachstums von 83 Prozent je Aktie im Vergleich zum Vorjahr eine Fortsetzung der Kursrally folgen.


Automobilindustrie: hohe Investitionen bei Chip-Herstellern

Auf Auto-Chips spezialisierte Zulieferer weiten ihre Kapazitäten als Antwort auf die Halbleiterknappheit in der Automobilindustrie stark aus. Allein für die weltweit sechs umsatzstärksten Anbieter wird das Investitionsvolumen 2021 auf insgesamt 6,5 Milliarden US-Dollar geschätzt – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vor-Pandemie-Höchststand 2018. Im Fokus der Investitionen stehen vor allem die von den Autobauern stark nachgefragten Chips für Schaltvorrichtungen – sogenannte Power Semis – sowie Halbleiter für erweiterte Fahrassistenzsysteme oder interaktive Mikrocontroller. Sorgen vor einem Überangebot an Chips, sobald die Knappheit überwunden ist, kann ich jedoch nehmen. Darauf deutet ein seit 2017 relativ konstantes Verhältnis zwischen Anlageinvestitionen und Umsätzen – die „CapEx-Quote“ – dieser Halbleiterunternehmen aus den USA, Japan, der Schweiz und Deutschland hin. Kurzfristig könnten die Angebotsknappheit und der verzögerte Umsatzeffekt von Anlageinvestitionen deren Aktienkurspotenziale zwar begrenzen, langfristig dürften sie jedoch vom strukturellen Wachstumspotenzial profitieren.


Aktienmarkt Neuseeland: klein und teuer

Der Aktienmarkt Neuseelands hat seit Jahresbeginn mit einem Minus von fünf Prozent in Euro rund 15 Prozent gegenüber dem australischen Markt eingebüßt, obwohl die neuseeländische Wirtschaft im ersten Quartal mit einem Wachstum von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr die Erwartungen übertroffen hat. Ausschlaggebend waren vor allem Netto-Kapitalabflüsse inländischer Anleger, die auf der Renditesuche globale Aktienmärkte dem heimischen, vergleichsweise engen und teuren Markt vorzogen. Die Börse Neuseelands gehört zwar traditionell nicht zu den günstigeren, da defensive Sektoren wie beispielsweise Pharma, Versorger oder Telekommunikation knapp 70 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen. Die aktuelle Bewertung halte ich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30x für die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate auch im historischen Vergleich allerdings für zu hoch. Der mit einem KGV von 18x günstiger bewertete und stärker kapitalisierte Aktienmarkt Australiens könnte Anlegern zukünftig mehr Wachstumspotenzial bieten, auch wenn Korrekturen natürlich in beiden Märkten nicht auszuschließen sind.


Osteuropa: Anlagechancen im Schatten der Eurozone?

Anleger in Deutschland schauen vor allem auf den heimischen Aktienmarkt. Ein Blick auf die Börsen Osteuropas kann jedoch auch Chancen eröffnen. Welche das sind und welche Risiken es dabei zu beachten gilt, diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 30

In den nächsten Jahren könnten Mondspaziergänge wieder in Mode kommen; unter anderem wollen die USA bald wieder Astronauten auf den Mond schicken. Damit die Besucher sich besser zurechtfinden, plant die Europäische Weltraumbehörde ESA jetzt ein lunares Navigationssystem namens Moonlight. Satelliten sollen die Standortbestimmung auf dem Mond mit einer Genauigkeit von bis zu 30 Metern erlauben. Das ist nicht nur für Spaziergänger interessant: Unbemannte Mondrover könnten über Moonlight von der Erde aus ferngesteuert werden. 

Behalten Sie heute die Kontrolle. 

Herzlichst

Ihr Dirk Steffen

Leiter Kapitalmarktstrategie


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