PERSPEKTIVEN am Morgen

von Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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 Dr. Ulrich Stephan

30. März 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

bei zinssensitiven Aktien bleibt Vorsicht geboten, der Golfkrieg und andere Faktoren belasten den globalen Güterhandel, und in der deutschen Wirtschaft könnte die Stimmung schlechter sein als die Lage. 

Energieschock – wohin laufen die Realzinsen?

Der Energieschock hat die Realzinsen weltweit spürbar steigen lassen. Beispielsweise sind die um Inflationserwartungen bereinigten Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen seit Beginn der Golfkrise von rund 1,7 auf knapp 2,1 Prozent geklettert. Für den weiteren Marktverlauf dürfte – neben Dauer und Ausmaß der Golfkrise – vor allem die Geldpolitik und ihre Wirkung auf die Realzinsen ausschlaggebend sein. Bestätigen sich die aktuellen Markterwartungen, dann würden die großen Notenbanken dem drohenden Inflationsanstieg mit beherzten Zinserhöhungen begegnen, würden straffere Finanzierungsbedingungen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfen und den Preisdruck wie gewünscht mindern. Bleiben geldpolitische Straffungen hingegen hinter den Markterwartungen zurück, etwa weil Währungshüter eine zu starke Konjunkturabkühlung befürchten, dürften die Anleiherenditen insbesondere bei kürzeren Laufzeiten zurückgehen. Bei anhaltenden erhöhten Inflationserwartungen würden die Realzinsen wieder sinken – ein Szenario, das grundsätzlich für reale Anlageformen wie zum Beispiel Aktien spräche. Solange aber die Unsicherheit über Dauer und Ausgang des Krieges im Nahen Osten sowie über mögliche geldpolitische Reaktionen anhält, rate ich zunächst weiter zu Vorsicht – insbesondere bei zinssensitiven Aktientiteln.

WTO-Bericht: Welthandel tritt auf die Bremse

Die Welthandelsorganisation WTO rechnet für 2026 mit einer spürbaren Abkühlung des Welthandels. Nach einem kräftigen Plus von 4,6 Prozent im Jahr 2025 soll das reale Güterhandelsvolumen laut aktualisiertem Ausblick nur noch um 1,9 Prozent wachsen. Als zentrale Belastungsfaktoren nennt die WTO das Auslaufen von Vorzieheffekten im Vorfeld der US-Zölle, eine an Breite verlierende globale Nachfrage sowie anhaltend hohe handelspolitische Unsicherheiten. Zusätzliche Risiken ergeben sich aus der Golf: Höhere Energiepreise und Störungen wichtiger Transportwege könnten das Wachstum des Güterhandels um weitere 0,5 Prozentpunkte dämpfen. Europa gilt aufgrund hoher Energieabhängigkeit und ausgeprägter Exportorientierung als besonders anfällig, während die USA dank größerer Energieautonomie und eines starken Binnenmarkts resilienter erscheinen. In Asien zeigt sich ein differenziertes Bild: Zyklische Konsumwerte dürften unter der schwächeren globalen Nachfrage leiden, während marktführende Technologieunternehmen mit Preissetzungsmacht weiterhin vom strukturellen KI-Boom profitieren sollten. Aus Anlegersicht spricht dies für eine selektive regionale und sektorale Portfoliodiversifizierung.

ifo Geschäftsklima: Temperatursturz im März 

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 86,4 Punkte gefallen, nach 88,4 Punkten im Februar. Während die Lagebeurteilung stabil blieb, verzeichneten die Erwartungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 86,0 (von 90,2) Punkten den stärksten Einbruch seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Steigende Energiepreise, Unsicherheit und eine drohende Inflationswelle belasten die Stimmung. Dennoch wäre voreiliger Pessimismus verfehlt: Die angekündigten fiskalischen Impulse von über 200 Milliarden Euro für Verteidigung und Infrastruktur allein in diesem Jahr bleiben ein starkes Gegengewicht. Der Krieg im Nahen Osten dürfte Deutschlands zyklische Erholung zunächst verzögern, aber nicht vollständig entgleisen lassen. 

Entscheidend bleibt, ob die Regierung das enge Zeitfenster bis zum Sommer für überfällige Strukturreformen nutzt. Die Effekte des Infrastrukturpakets dürften sich am unmittelbarsten beim MDAX mit seinen binnenorientierten Mittelständlern bemerkbar machen.

Private Equity für Europas Mittelstand

Im Jahr 2025 haben Europas mittelständische Firmen über 4.000 Finanzierungen im Wert von mehr als 400 Milliarden US-Dollar mit Gebern von privatem Eigenkapital (Private Equity) abgeschlossen. Dieser Rekord wurde zuvor erst einmal im Jahr 2021 übertroffen. Die durchschnittliche Dauer für Verhandlungen der Finanzierungen sank von zwölf Wochen 2024 auf knapp neun Wochen. Dies liegt auch daran, dass Geldgeber und Unternehmen besser zusammenarbeiten und neue technische Hilfsmittel wie künstliche Intelligenz nutzen. Auch der Verkauf von Firmenbeteiligungen (Exits) ist gestiegen: Zum zweiten Mal gab es mehr als 1.000 solcher Verkäufe. Aktuell ist der Markt durch den Nahostkonflikt allerdings von Unsicherheit geprägt. Sollte sich die Lage in den kommenden Wochen bessern, könnte das fundamental attraktive Segment weiterwachsen. Ansonsten dürften nur große Finanzierungen für Bewegung sorgen, während der Rest des Marktes in abwartender Haltung bleibt. Wie 2025 könnte dieses Jahr somit etwas langsamer starten und die Zahl der Transaktionen erst im Laufe des Jahres wieder zunehmen.

Anlagestrategien gegen die aktuelle Krise

Welche Anlagestrategien helfen gegen die aktuelle Krise? Value, Quality, Momentum, Dividend, Size: Mit diesen Strategien verbinden viele Investoren die Hoffnung, langfristig besser als der Markt abzuschneiden. Funktioniert das? Kann man den Markt wirklich schlagen? Welche Modelle und Hypothesen, Chancen und Risiken es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go. 

Was diese Woche wichtig wird

  • Im Laufe der Woche, Berichtssaison USA | Aus dem S&P 500 berichten Nike, McCormick & Co und Conagra Brands.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Auto1 Group, Tauron Polska Energia, Buzzi, Asseco Poland und Infrastrutture Wireless Italia.
  • Asien | Aus China berichten unter anderem die Bank of China und China Shenhua Energy. 
  • Dienstag, Euroraum | Gesamt- und Kerninflation im März (vorläufig). Analysten erwarten im Konsens, dass sich die jährliche Gesamtinflation im Euroraum von 1,9 Prozent im Februar auf 2,6 Prozent im März beschleunigt haben könnte. Die Kerninflation dürfte mit 2,4 Prozent auf einem Niveau liegen, wie im Februar gelegen haben. Die März-Daten werden den ersten Monat darstellen, in dem sich die jüngste Eskalation im Nahen Osten vollständig in den Verbraucherpreisen des Euroraums widerspiegelt. In der vergangenen Woche signalisierte EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel, dass eine Zinserhöhung im April „eine Option“ sei. Entsprechend hohe Inflationsdaten könnten den restriktiven Ton der EZB weiter untermauern. 
  • Mittwoch, USA | ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März. Dem Marktkonsens dürfte der Index mit 52,3 Punkten oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten verblieben sein und damit weiter auf eine Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität hindeuten. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Index geringfügig unter dem Februarwert von 52,4 Punkten liegt. Am Freitag wird außerdem der entsprechende Index für den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Freitag, 
  • USA | Arbeitsmarktdaten für März. Analysten rechnen im Median mit einem Beschäftigungszuwachs von 50.000 Stellen im März, nachdem die Beschäftigung im Februar um 92.000 Stellen zurückgegangen war. Die Arbeitslosenquote dürfte stabil bei 4,4 Prozent bleiben. Die Märkte werden insbesondere darauf achten, dass sich inwieweit die jüngste Eskalation im Nahen Osten über höhere Ölpreise auf die Einstellungsdynamik ausgewirkt hat. In der Vergangenheit hat sich der US-Arbeitsmarkt jedoch als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Ölpreisschwankungen erwiesen.

    Zahl des Tages: 1.000 

    Elefanten sind sehr große und sprichwörtlich dickhäutige Tiere. Trotzdem können sie einen Tortilla-Chip aufnehmen, ohne ihn zu zerbrechen. Wie schaffen sie das? Ein Team um Andrew K. Schulz vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart hat herausgefunden: Die rund 1.000 Rüsselhaare eines Elefanten weisen eine steife Basis auf, die in eine weiche, gummiartige Spitze übergeht. Sie gleichen damit den Schnurrhaaren von Hauskatzen und ermöglichen es, Objekte mühelos zu ertasten. Die Forscher formen die Haare bis auf einen Nanometer genau ab, testeten sie – und produzierten anschließend im 3D-Drucker ein vergrößertes Rüsselhaar, das sie in den Institutsfluren ausprobierten. Die Ergebnisse könnten künftig in die Entwicklung bioinspirierter Sensoren einfließen, so die Hoffnung des Teams. 

    Lösen Sie heute ein haariges Problem.

    Herzlichst

    Ihr Ulrich Stephan

    Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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