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Marktberichte
Börse Frankfurt-News: Schwäche nicht von Dauer (Devisen)
21.06.17 / 15:48 dpa-AFX (0 mal gelesen)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 21. Juni 2017. Mit dem Start der ungewissen Brexit-Reise steht das britischen Pfund vermutlich vor einer ungemütlichen Phase. Analysten rechnen bis Jahresende mit einer Entspannung der politischen Lage.

Die Frage der Sattelfestigkeit von Theresa May sowie Hinweise auf ein länger als erwartetes Festhalten an der lockeren Geldpolitik in Großbritannien sorgt für Wechselbäder der Gefühle am Devisenmarkt. Gegenüber der Gemeinschaftswährung büßte das britische Pfund seit der Wahl etwa 1,7 Prozent an Wert ein, aktuell kostet ein Pfund Sterling 1,13 Euro.

Mittlerweile stellen die britische Regierung und die Bank of England die eigene Bevölkerung im Rahmen des Brexit auf Einschnitte ein, wie Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank bemerkt. Notenbankchef Mark Carney habe gestern im Rahmen einer Rede vor möglichen Kaufkraftverlusten während der EU-Austrittsverhandlungen gewarnt. Viele Unternehmen, die aus dem Königreich den Binnenmarkt bedienten, seien nun gezwungen die mögliche Verlagerung von Produktionsstätten anzugehen. Diese Prozesse liefen bereits. Carneys Worte, "die Notenbank müsse abwägen, ob sie gegen die Inflation vorgehe oder das Wachstum ankurble", werten Analysten als Absage an eine baldige Zinserhöhung. Das Pfund verlor in Folge gegenüber den wichtigsten Währungen an Boden.

Wirtschaft spürt Gegenwind

Schwache Konjunkturdaten in Großbritannien verstärkten den Druck auf das Pfund. Die mit minus 0,8 Prozent rückläufige Industrieproduktion hat Hellmeyer zufolge ebenso enttäuscht wie die auf Monatsbasis um 1,2 Prozent niedrigeren Einzelhandelsumsätze im Mai. "Langsam aber sicher zeigen sich Bremsspuren, nachdem der angekündigte Brexit in den vergangenen Monaten erstaunlich wenig auf die Realwirtschaft durchgeschlagen ist."

Entspannungstendenzen

Die weitere Entwicklung der britischen Währung hängt nach Ansicht von Analysten größtenteils an den mit vielen Fragezeichen versehenen Austrittskonditionen, wobei die Helaba die Verluste von bis zu 2 Prozent gegenüber dem US-Dollar und dem Euro direkt nach der Wahl des Unterhauses als keinesfalls dramatisch einstuft. "Nach dem Referendum wertete das Pfund in wenigen Tagen noch zweistellig ab", erinnert Christian Apelt. Zudem begrenze die sehr günstige Bewertung des Pfunds das Verlustpotenzial. Temporär könnte nach Ansicht des Währungsanalysten die Unsicherheit das Pfund noch beeinträchtigen. "Mit einer gewissen politischen Entspannung dürfte der Euro-Pfund-Kurs bis Jahresende wieder auf 0,85 fallen."

Euro-Stärke vorübergehend

Die relative Stärke des Euro gegenüber einer Reihe von Währungen in den vergangenen Wochen signalisiert nach Ansicht der DekaBank keine Trendwende. Die Europäische Zentralbank habe bei ihrem jüngsten Zinsentscheid einen nur sehr langsamen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt. "Wir rechnen mit der ersten Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes erst im Herbst 2020, wenn beispielsweise nach unseren Prognosen die Leitzinsen in den USA bereits bei 3,75 Prozent stehen", beschreiben die DekaBank-Analysten. Damit bleibe die EZB ein Garant für einen schwachen Euro.

Dem gegenüber hob die US-Zentralbank trotz einer Kerninflation unter der eigenen Zielmarke vergangene Woche den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne zwischen 1,0 bis 1,25 Prozent an. Im zweiten Halbjahr folge vermutlich ein weiterer Zinsschritt. Während die Verfestigung des moderaten wirtschaftlichen Aufschwungs grundsätzlich stützend für den Euro wirke, hält der zunehmende Zinsvorsprung von US-Treasuries etwa gegenüber Bundesanleihen nach Meinung der DekaBank die Gemeinschaftswährung zum US-Dollar bis Ende 2017 auf einem niedrigen Niveau.

Das sieht die Helaba ähnlich. Zwar seien die politischen Risiken im Euroraum gesunken, während die Turbolenzen um Präsident Trump den US-Dollar belasteten. "Jedoch begrenzt die expansive EZB-Politik das Kurspotenzial, so dass der Euro nicht dauerhaft aufwertet." Aktuell ist ein Euro für 1,11 US-Dollar zu haben, das sind gut 5,7 Prozent mehr als zum Jahresbeginn als ein Euro 1,05 US-Dollar kostete.

Schwäche der Schwedischen Krone übertrieben

Als zeitweilig bewertet Apelt die tendenzielle Schwäche der Schwedischen Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung. Mit 9,78 Kronen hat sich der Euro seit Januar rund 2,5 Prozent verteuert. "Der Euro-Krone-Kurs wird im Jahresverlauf vermutlich fallen." Zwar habe im ersten Quartal eine langsamer wachsende schwedische Konjunktur enttäuscht und die jüngsten Stimmungsindikatoren seien hinter den Erwartungen zurück geblieben. "Insgesamt kann das Wachstum aber noch überzeugen", urteilt der Analyst. Auch habe die schwedische Zentralbank trotz anziehender Inflation eine Zinsanhebung zunächst verschoben. Eine wahrscheinliche geldpolitische Wende im kommenden Jahr werde Schwedens Renditen gegenüber dem Euro attraktiver machen.

von: Iris Merker

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